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2014-06-07

Gedichte von G.Keller: Herbstnacht (17)




Herbstnacht

Als ich, ein Kind, am Strome ging,
Wie ich da fest am Glauben hing,
Wenn ich den Wassern Blumen gab:
Sie trügen all zum Meer hinab! –

Es hält die schwarzverhüllte Nacht
Unruhig auf den Wäldern Wacht,
Weil nun der Winter, kalt und still,
Doch tödlich, mit ihr ringen will.

Es rauscht und weht das weite Land,
Geschüttelt von des Sturmes Hand,
Es rauscht von Wald zu Wald hinauf,
Entlang des Stromes wildem Lauf.

Da schwimmt es auf den Wassern her,
Wie ein ertrunknes Gnomenheer
Schwimmt Leich an Leiche, Blatt an Blatt,
Was schon der Streit verschlungen hat.

Das ist das tote Sommergrün,
Das zieht zum fernen Weltmeer hin –
Ade, ade, du zarte Schar,
Die meines Herzens Freude war!

Sing's in die Niedrung, dunkle Flut:
Hier oben tobt ein heißes Blut,
Wie Heidefeuer einsam glüht,
An dem die Welt vorüberzieht.



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