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2014-06-07

Gedichte von G.Keller: Polenlied (27)




Polenlied

Es liegt ein weißer Adler
In seinem roten Blut,
Sein Fittich ist zerbrochen,
Gebrochen ist sein Mut;
Sein Röcheln wird schon matter
Und kürzer jeden Tag;
Die Völker stehn und weinen
Um seinen Sarkophag!

Das Weinen wird verboten,
Und man verbeißt den Schmerz.
Millionen Tränen brennen
Sich nieder in das Herz.
Das wird ein Saatfeld werden,
Wann dieser Same keimt!
Das wird ein Trinken geben,
Wann dieser Becher schäumt!

Rund ist die Welt; die Sonne
Kehrt jeden Tag zurück.
Rund ist das Rad am Wagen
Und runder noch das Glück!
Der schwarze Aar kann sinken,
Der weiße auferstehn -
Laßt harren uns und beten
Und auf die Sterne sehn!

Des Unglücks Feuer läutert
Oft das verdorbne Blut,
Ein neues Sein und Leben
Tut manchem Volke gut.
An allen deinen Gliedern
Verjüngt vom Morgenglanz,
Wie wirst du, Polen, grünen
Im neuen Völkerkranz!



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