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2014-06-18

J.C.Günther- Gedichte: Auf die Verstellung derer Frauenzimmer (17)




Auf die Verstellung derer Frauenzimmer

Mägdgens, stellt euch nicht so spröde
und entflieht uns nicht so fern!
Scheint gleich euer Antlitz blöde,
hat es doch das Herze gern.
Küßt man euch, so heißt es talen;
ich versteh wohl, das sind Schalen,
darum wollt ihr nur den Kern.

Wenn wir etwan Rosen brechen
und im Busen stehlen gehn,
wollt ihr flugs mit Nadeln stechen
und den Galgen gleich erhöhn;
ja, ihr flucht wohl um die Wette
und entlauft uns bis zum Bette,
nur damit wir schärfer stehn.

Meint nicht, daß es niemand merke,
wie es euch geheim verdreußt,
wenn man zu dem süßen Werke
gar zu fromm und christlich heißt;
denn da könnt ihr bei den Schwestern
dessen Einfalt gut verlästern,
der sich gar zu feig erweist.

Wenn ihr uns den Mund entrücket,
wollt ihr nur gezwungen sein,
wenn man den nun ernstlich drücket,
hört man keine Feuer schrein.
Kurz, ihr pfleget in dem Lieben
nie kein Wasser zu betrüben,
sondern plumpt mit uns hinein.


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