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2014-06-20

J.C.Günther: Gedichte an Leonore: Auf ein Mägden, so er.....(11)




(Magdalene Eleonore Jachmann)
Schweidnitz Juni 1714 – Wittenberg Juli 1716

Auf ein Mägdgen, so er einsmahls bey einem guten Freunde in
der Nachbarschaft zum Fenster sah heraussehen

Schweigt doch nur, ihr höhnschen Thoren,
In der kühlen Dämmrungsstill,
Da mein Herz vor Leonoren
Seine Regung zeigen will,
Weil sich ihrer Jugend Pracht
Überall gefällig macht.

Durch die Reizung ihrer Sitten
Komm ich um den Freyheitsstand,
Den mir manche schon bestritten,
Aber keine noch entwand,
Weil der Himmel ihrer Art
Meine Liebe vorgespart.

Ihrer Kleider nette Schwärze
Zeigt mir ein vergnügtes Licht,
Welches wie des Mondes Kerze
Zärtlich aus den Wolcken bricht
Und der Hofnung, die sie liebt,
Einfluß und Ergözung giebt.

Selbst die Schönheit vom Gemüthe
Bricht durch Blick und Antliz vor,
Und der Reden Geist und Güte
Küzelt oft ein lauschend Ohr,
Daß mich auch das Zusehn schmerzt,
Wenn sie mit Gespielen scherzt.

O wie seelig ist die Stunde,
Da man, angenehmes Kind,
Auf dem rosenvollen Munde
Deines Herzens Huld gewinnt
Und den Vorschmack jener Welt
Selbst mit dir in Armen hält.

Fliegt daher, ihr stillen Lieder,
In die schöne Nachbarschaft
Und bewegt die stillen Glieder
Durch die Würckung starcker Kraft,
Bis ein Traum von meiner Treu
Leonorens Lustspiel sey.


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