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2014-06-26

Naturlyrik-Realismus-F. Nietzsche: Der Herbst (12)



F.Nietzsche

Der Herbst

Dies ist der Herbst:
der - bricht dir noch das Herz!
Flieg fort! flieg fort!
Die Sonne schleicht zum Berg
und steigt und steigt.
Und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
der Wind sein Lied:
die Hoffnung floh,
er klagt ihr nach . . .

Dies ist der Herbst:
der - bricht dir noch das Herz!
Flieg fort! flieg fort! -
0 Frucht des Baums,
du zitterst, fällst!
Welch ein Geheimnis lehrte dich
die Nacht,
daß eisger Schauder deine Wange,
die Purpur-Wange deckt? -

Du schweigst? antwortest nicht?
Wer redet noch?
Dies ist der Herbst:
der - bricht dir noch das Herz!
Flieg fort! flieg fort!

»ich bin nicht schön«
- so spricht die Sternenblume
»doch Menschen lieb ich
»und Menschen tröst ich:
»sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
»nach mir sich bücken,
»ach, und mich brechen:
»in ihrem Auge glänzt dann
»Erinnerung an Schöneres als ich,
»Erinnerung an Glück, an Menschen-Glück: -
»- ich sehs, ich sehs, und sterbe so!« -

Dies ist der Herbst:
der - bricht dir noch das Herz!
Flieg fort, flieg fort!



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