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2014-06-01

T. Fontane : Von der schönen Rosamunde Kapitel 1




Von der schönen Rosamunde
(Romanzen-Zyklus)

1. Kapitel

Wie König Heinrich Rosamunden findet
Der König Heinrich jagt im Wald
Mit Hof- und Jagdgesinde,
Es führt sein Ritt in alsobald
Auf eine weiße Hinde,
Und nach, durch Ginster und durch Porst,
Spornt er sein Roß, bis tiefer Forst
Das Tier in Schutz genommen.

Des Weges bar, durch Strauch und Dorn
Lenkt Heinrich jetzt den Schecken,
Und ruft Hallo und stößt ins Horn,
Um Gegengruß zu wecken;
Wohl hört er, wie das Birkhuhn schwirrt.
Wie über ihm die Taube girrt.
Doch nichts von Hornesklängen.

Der Tag ist heiß. Es weht kein Hauch,
Und Roß und Reiter dürsten,
Kein Quell ist da, kein Brombeerstrauch
Beut seine Frucht dem Fürsten,
Der denkt wohl: „Wenn ich Wasser hätt.
So wahr ich ein Plantagenet,
Ich wög es auf mit Golde."

Da schnaubt sein Scheck, und noch einmal.
Wie wenn er Obdach wittert -
Und sieh, ein Schloss im Sonnenstrahl
Hell durch die Zweige zittert.
Schon halten Roß und Mann davor.
Und gastlich öffnet sich das Tor
Dem ungekannten Ritter.

Und in die Hall voll Waffenprunk
Ist Heinrich jetzt getreten,
Und hat um Wasser, einen Trunk,
Den Graubart drin gebeten.
Der aber spricht: „An Cliffords Schwell
Labt man den Gast mit andrem Quell -
Schaff Wein uns, Rosamunde!"

Und alsobald die junge Maid
Ergreift die güldnen Kannen,
Sie grüßt den Gast in Sittsamkeit
Und schwebet leicht von dannen,
Ihr Haar ist blond, ihr Wuchs ist schlank.
Und Heinrich weiß der Irrfahrt Dank,
Um solchen Findens willen.

Und jetzund wieder in den Saal
Tritt sie nach kurzem Gange,
Rot glüht der Wein im Goldpokal
Und rot glüht ihre Wange,
Sie beut den Trunk mit Sitten dar.
Dem König aber wird fürwahr.
Als hätt er schon getrunken.

Und als er trinkt, da trinkt er nicht
Mit Lippe nur und Kehle,
Da trinkt sein Aug ihr Angesicht
In seine tiefste Seele,
Und eh die Maid sich abgewandt.
Ergreift er ihre weiße Hand,
Zum Danke sie zu küssen.

Da schau, von Simses Stuck und Kalk,
Gespornt an jedem Hacken,
Schießt Rosamundens Edelfalk
Auf seiner Herrin Nacken,
Er bläht sich auf in Tück und Trutz
Und hebt den Sporn zu Schirm und Schutz,
Voll Eifersucht im Herzen.

Doch ob er zürnt und ob er wetzt,
Den Kühnen zu verjagen -
Die Hand, sein Todfeind küßt sie jetzt
Trotz seiner Flügel Schlagen;
Schön Rosamunde schenkt ihm ein.
Und selig blickt der König drein.
Wie nie in seinem Leben.

Und auch dem Alten wird so warm,
An hebt ein tapfres Zechen,
Es zuckt ihm schier durch Herz und Arm,
Als sollt er Lanzen brechen.
Den Goldpokal, er stampft ihn auf,
Als wär's ein alter Degenknauf,
Und Blut statt Wein im Becher.

Der König schaut's und lohnt ihm drauf
Mit festlichen Turnieren,
Und gibt noch Schlachten in den Kauf
Mit Schotten und mit Iren,
Und wie so Strauß an Strauß sich drängt.
Da wohl an jedem Worte hängt
Die schöne Rosamunde.

Der alte Clifford aber längst
Den Becher still umkrampfte.
Er hört's nicht mehr, wie Heinrichs Hengst
Den Douglas einst zerstampfte,
Wohl aber, als der König schweigt.
Murrt er, sein Haupt in Gram geneigt:
„Daß einen Sohn ich hätte!"

Da auf vom Sitze springt sein Gast
Und ruft: „Der ist gefunden!
Gib mir das Kleinod, das du.hast.
Die Hand von Rosamunden,
Zu gutem Schwert und gutem Roß
Ein junges Herz und altes Schloß,
Das ist es, was ich biete."

Der Alte sieht sein Kind erglühn
Vor Scham und Freud im Bunde;
Er weiß, wenn so die Rosen blühn,
Ward's Lenz im tiefsten Grunde.
So spricht er denn: „Mein Kind sei dein,
Und morgen soll die Hochzeit sein -
Wir brauchen keine Gäste!" -

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