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2014-06-01

T. Fontane : Von der schönen Rosamunde Kapitel 7




7. Kapitel

Wie Rosamunde hofft und harrt

Durch Woodstocks Laubengänge hin.
In heller Mittagsstunde,
Zieht nassen Augs in trübem Sinn
Die schöne Rosamunde;
Sie tritt zu einer Ros heran,
Und pflückt sie und zerpflückt sie dann -
Ein Tropfen fällt hernieder.

Da plötzlich springt - den dürren Leib
Behängt mit schmutz'gen Loden,
Rasch in den Gang ein Bettelweib,
Als wüchs es aus dem Boden;
Sie kreischt in widerlichem Ton:
„Gib nur die Hand, ich weiß es schon.
Du willst vom Liebsten wissen."

Sie nimmt die Hand und drückt sie nun
Aufschreit Schön-Rosamunde;
Die Alte murmelt: „Soll ich's tun?
Kein Lauscher in der Runde!"
Dann aber läßt die Hand sie frei
Und spricht wie mitleidsvoll: „Vorbei!
Betrogen, Kind, betrogen!"

Das Bettelweib, kaum das sie's sprach.
Ist wieder sie verschwunden;
Schön-Rosamunde starrt ihr nach,
Gelähmt und schreckgebunden;
In Lüften eine Lerche singt -
Sie hört es nicht, im Ohre klingt
Das Sprüchel ihr der Hexe.

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