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2014-06-01

Theodor Fontane: Robin Hood (2)




2.

Jung-Robin blieb. Der Frühling kam.
Aufsproßten die Veilchen, die blaun.
Die Lerche hatte mit Liedern zu tun
Und die Schwalbe mit Nesterbaun;

Da rief Jung-Robin: „Nun komm, Little John,
Jeder Vogel ruft mich hinaus, -
Ich muß wieder heim in den Sherwood-Wald
Und sein grünes Blätterhaus."

Sie kamen zum Wald; sein Hüfthorn rasch
Führte Robin an den Mund, -
Da wuchsen, wie auf Zauberschlag,
Fünfzig Jäger aus dem Grund.

Er rief: „Grüß Gott euch, liebe Geselln!"
Und fragte sie her und hin;
Dann plötzlich schwieg er: aus Waldesnacht
Trat Jenny, die Schäferin.

Seine Sinne hatten sie nie gesehn.
Betroffen er vor ihr stand;
Sie trug in Strählen ihr schwarzes Haar,
Durchflochten mit rotem Band.

Sie trug ein Mieder, kornblumenblau.
An silbernen Spangen reich,
Und ihr Aug, umwölbt von dunkler Brau,
Blickte mild und mutig zugleich.

Er rief: „Willkommen, wer immer du seist!
Und suchest du unsren Schutz,
Beim Himmel, um deinen süßen Leib
Böt ich dem Könige Trutz."

Da lachte sie laut und rief: „Hab Dank!
Ich bin eine Warwick-Maid,
Und braucht ich Schutz, sieh diesen Pfeil
Und den Bogen an meiner Seit."

Sie sprach es kaum, da brach mit Geräusch
Ein Reh durchs knickende Holz,
Sie rief: „Schau auf!" und mitten durchs Herz
Drang ihr gefiederter Bolz.

Jung-Robin sah's. „Und brauchst du nicht
Meines Arms" - so rief er laut
„So nimm meine Hand und mein Herz dazu
Und sei meine süße Braut.

Ich bin Robin Hood. Im Sherwood-Wald
Sollst du die Königin sein.
Was Bogen und Pfeil erreichen kann.
Ist alles, alles mein."

Wohl wurde sie rot und rief doch: „Ja!
Ja, und von Herzen gern,
Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und dir dienen als meinem Herrn.

Jetzt aber komm, und geleite mich heim
In meines Vaters Haus,
Wir feiern heute das Kirchweihfest, -
Nun wird es mein Hochzeitsschmaus!"

Da brachen sie auf nach Titbury-Town,
Little John, der schritt voran.
Auf den Schultern er einen Rehbock trug.
Den man immer brauchen kann.

So ging's feldein. Schon grüßte der Turm
Von Titbury ganz in der Näh,
Da sperrten fünf Burschen ihnen den Weg
Und schrieen: „Gebt uns das Reh!"

Ihre Messer blitzten. Da lachten laut auf
Robin Hood und Little John,
Sie schlugen zwei von den Strolchen tot.
Die ändern liefen davon.

Beim Himmel, ein lustiger Stückchen Kampf
Tät Robin nie bestehn; -
Ich bin der Fiedler von Titbury-Town
Und habe mit zugesehn.

Ich stand kaum fünfzig Schritt davon
Und fiedelte wacker mit drein.
Auch aus der Stadt scholl Jubel her
Von Dudelsack und Schalmein.

Und als der Kampf vorüber war,
Jung-Robin war nicht matt,
Er faßte Schön-Jenny um den Leib
Und tanzte hinein in die Stadt.

Da war auf Markt und Gassen schon
Das Kirchweihfest im Gang,
Selbst Tom, der Schneider vom Gericht,
Über Tisch und Bänke sprang.

Er führte die Anne Marie zum Tanz,
- Bei Gott eine hübsche Dirn!
Und richtig gezählt, jeden dritten Takt
Da küßt er sie auf die Stirn.

Ich bin der Fiedler, und hab es gesehn
Und gönn's ihm auch von Grund,
Denn meine Nanny war auch dabei.
Und die küßt ich auf den Mund.

Jung-Robin aber und Jenny schön,
Die tanzten zum Vater ins Haus,
Und als der Herr Pfarrer sein Sach getan,
Ging's tanzend wieder hinaus;

Hinaus in den Wald; da waren die Tisch
Unterm Laubdach angericht't, -
Ach, was ich da alles gegessen hab.
Vor Trinken weiß ich's nicht.

Nur in den Wabenhonig hinein
Schnitt ich ein tiefes Loch,
Und wenn ich daran denken tu,
Schmeckt es mir immer noch.

Jung-Robin und Jenny gingen zu Bett,
Wir aber schliefen aus.
Und als der nächste Morgen kam.
Nahm jeder was mit nach Haus.

Ich nahm einen Kuchen; er war nicht groß,
Doch war er auch nicht klein.
Ich lebt an die sieben Tage davon
Und lud noch Gäste ein.

Und halt! das eins ich nicht vergeß
Vor lauter Hast und Eil:
Sie wurden getraut mit einem Ring;
Und nun dem Könige Heil!

Dem Könige Heil! und geb ihm Gott
Einen jungen Prinzen bald; -
Ich aber will singen von Robin Hood
Und dem lustigen Sherwood-Wald.


Ende


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