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2014-07-07

F. Logau-Spruchgedichte: Selig sind die Toten (79)




Selig sind die Todten

Sterben war wol immer lieb, dem, der dorte sucht zu leben,
Der da wuste, daß die Welt ihm, und er nicht ihr, gegeben,
Daß Gast Er, und Sie sey Wirth, daß auch seiner Wohlfahr Lauff
Hier im Thale neme Ruh, weiter aber geh Berg-auff.
Sterben wird nun noch so lieb dem, der recht nur wil bedencken,
Wie der Wirth zum Schelmen wird und die Gäste pflegt zu kräncken,
Daß er auß dem Hause jagt den, der ihn nicht betet an;
Der vom from-seyn abzustehn übers Hertz nicht bringen kan,
Der noch glaubet, daß ein Gott, der noch etwa dran gedachte,
Was für Alters Tugend hieß, der noch etwas wo verbrachte,
Daß nach Bieder-wesen reucht, der nicht Dienst wil nemen an,
Wil nicht wider Recht und Zucht treten auff den Frevler-Plan:
Dieser, dieser hat verdient, daß man ihn mit Hunden hetze
Zu dem grossen Thore zu, biß er Gut und Blut versetze!
Drum, wann Gott die blaue Burg öffnet und ihm beut die Hand,
Freyt ihn von der Trotzer Trotz, setzt ihn in den Friedens-stand,
Rettet ihn auß Sünd und Noth vom Verterben zum genesen,
Nimmt ihm die Vergängligkeit, schencket ihm ein ewig- Wesen:
Ey, wer wär so unbedacht, daß er diesen lasse nicht
Hin, wo dieser Welt ihr Grimm seine freche Hörner bricht!
Allzuweit ist nicht von hier, biß der tolle Schanden-winckel,
Drinnen blinder Willen herrscht und ein tauber Eigen-dünckel,
Fühlt den letzten Donnerschlag, der ihn schlägt in einen Kloß,
Drückt zu Grunde den, der drückt, machet die gedrückten los.
Wol indessen dem, der dort lacht und schaut die Emsen-Hauffen,
Drinnen um das eitle nichts krichen, steigen, dringen, lauffen
Unbedachte Menschen-Schwärme! wol auch dem, der, was ihm lieb,
Da hat, wo für Bosheit, Noth, Drang und Zwang es sicher blieb!

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