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2014-07-13

F. W. Zachariae- Fabeln: Der Bischof und der Bettelbube (2)




Der Bischof und der Bettelbube

Einst ging ein Bischof durch die Stadt;
Ein Bettelbube zu ihm trat,
Zog vor ihm ab gar tief den Hut,
Und sagte: Herr, sein Sie so gut,
Bis an den Hals steck' ich in Schulden,
Und schenken Sie mir einen Gulden
Zu diesem lieben Neuenjahr;
Das wär' ein christlich Werk, fürwahr!
Was! schrie der Bischof eifersvoll
Ich glaube, Junge, du bist toll;
Ein Gulden, bei so schlechter Zeit,
Ist wahrlich keine Kleinigkeit!
Nun, Herr, fiel ihm der Bettler ein
So mögen's denn acht Groschen sein.
Nichts, nichts! versetzt der Bischof d'rauf
Geh' fort und halte mich nicht auf!
Ihr Gnaden! Einen Groschen dann –
Fort, fort! auch den nicht – Nun wohlan!
Sie sehn, wie ich mich handeln lasse,
Ein Hellerchen? – Geh' deiner Straße,
Nichts, gar nichts! Das ist etwas arg,
Sprach d'rauf der Bube. Sie sind karg!
Doch lassen Sie sich denn bewegen,
Und geben mir nur Ihren Segen!
Den sollst du haben, lieber Sohn,
Erwiederte mit süßem Ton
Der Geistliche knie' hin vor mir,
Den besten Segen geb' ich dir!
So? sprach der Bursche ganz verwegen,
Behalten Sie nur Ihren Segen!
Ich hab' ihn zu geschwind begehrt;
Wär' er nur einen Heller wert,
Sie gäben ihn, hochwürd'ger Herr,
Gewiss nicht so gutwillig her.



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