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2014-07-13

F. W. Zachariae- Fabeln: Der Frosch. ein Doktor (4)





Der Frosch, ein Doktor

Aus einem Teiche voller Rohr
Kroch einst ein dicker Frosch hervor;
Die Zeit ward ihm im Wasser lang,
E r nahm zur Lust drum einen Gang
Hin nach dem nächsten grünen Wald,
Dem angenehmen Aufenthalt
Von manchem groß und kleinen Tier.
Da stieg er voller Ruhmbegier
Auf einen runden Eichenklotz,
Sah um sich her mit edlem Trotz;
Und als sich auf den Blumenmatten
Viel Tier’ um ihn versammelt hatten,
Blies er die Backen auf und sprach:
„Fühlt etwa wer ein Ungemach
An Leber, Lunge, Milz und Herzen;
Hat einer Pein und große Schmerzen
Von Podagra, von Stein und Gicht;
Hat einer keine Öffnung nicht;
Ist er von hektischer Natur;
Liegt er am Fieber, an der Ruhr,
An Kachexi, Epilepsie,
An Agrypnie, Hydropisie;
Hat er den Appetit verloren;
Fühlt Sausen, Brausen in den Ohren —
Der trete dreist zu mir heran
Und nehme von mir Tropfen an!
Honette Herrn nach Standsgebühr,
Sie sehn den größten Doktor hier!
Ich bin die halbe Welt durchreist,
Und meinen großen Namen preist
Paris und London, Wien und Rom,
Der Rhein, der Main, der Donaustrom;
Denn alles hab ich ausstudiert,
Und Tausende hab ich kuriert!“

Die Tiere glaubten ihm zum Teil
Und kamen schon in großer Eil’
Von allen Ecken hergelaufen,
Und Arzenei von ihm zu kaufen,
Da rief der Fuchs: „Ihr armen Toren!
Sagt, habt ihr den Verstand verloren?
Seht euren Doktor doch recht an,
Er ist ja selber übel dran!
Die Augen stehn ihm aus dem Kopf;
Die Brust kocht wie ein alter Topf,
Der Mund ist blaß, der Fuß geschwollen,
Der dicke Bauch hervorgequollen;
Kann er hiervon sich nicht befrein,
Wie will er andrer Doktor sein?“



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