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2014-07-10

Fabeln- J.W.L.Gleim: Die Elster und der Uhu (14)




Die Elster und der Uhu 

Die Elster saß auf einem hohen Baum,
der manchem Wandrer Schatten gab,
und plauderte herab:
„Die Lerche singt ja kaum
ihr Tireli des Tages siebenmal.
Hingegen singt die Nachtigall
so Tag als Nacht und weiß
nicht aufzuhören, ihren Fleiß
bewundert man, allein
er sollte dauerhafter sein;
er währt im ganzen Jahr ja nur so wenig Wochen!
Hingegen ich, jahraus, jahrein
sing ich mein schönes Lied! So faul kann ich nicht sein!“
Kaum hatte sie’s gesprochen,
da murmelt’s! und da rief ein spöttischer Uhu,
der in des Baumes Bauche saß
(ein Philosoph, der alle Welt vergaß),
von unten auf ihr zu:
„Oh, hieltest du den Mund, du Plaudermaul!
oh, wärest du doch so faul!“




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