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2014-07-06

Gedichte von J.G.Jacobi: An den Hirten (2)




An die Hirten

Ihr Schäfer! wenn die Freude
Vom Hügel niederschwebt,
Und sich das Grün der Weide
Mit Veilchen unterwebt;

Und ihr, in bunten Reihen,
Euch um die Blumen setzt,
Mit Flöten und Schallmeien
Den nahen Wald ergötzt;

Und eure Mädchen liegen
Auf zarten Rasen, weich,
Am Blütenbaum, und schmiegen
Vertrauter sich an euch;

Und fern von euren Chören
Erschallt der Flöte Klang;
Und Chloe kommt, zu hören
Den lockenden Gesang;

O dann – die Götter geben
Euch süßen Lohn dafür! –
Dann singt vom reinen Leben
Der schönen Unschuld ihr.

Dann singt ihr von der Weiße
Der Lilien im Tal;
Von kleiner Bienen Fleiße,
Bei frühem Sonnenstrahl;

Von Küssen ohne Reue,
Die man dem Schäfer gab;
Vom Glauben an die Treue
Bis in das finstre Grab.

Gelobt's, ihr jungen Hirten,
Dem Frühling! – Ach, kein Lied,
Vor dem in ihre Mirten
Die keusche Liebe flieht!

Denn ohne Falsch geblieben
Ist noch das Mädchen. Ach!
Wollt ihr die Quelle trüben
Dem lautern Silber-Bach?

Denn Chloens innre Güte
Bestrahlt ihr Angesicht:
O, tilgt die erste Blüte
Von Mädchen-Tugend nicht!



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