> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von J.G.Jacobi: Die Heimat (23)

2014-07-06

Gedichte von J.G.Jacobi: Die Heimat (23)




Die Heimat

Der Sonnen schönste wärmt das Land,
Und heilig ist die Erde,
Wo vormals unsre Wiege stand
Am väterlichen Herde.

Vor allen Bäumen grünt der Baum,
In dessen kühlen Schatten
Wir unsern süßen Kindertraum
An Frühlingsmorgen hatten.

Vor allen Tälern blüht das Tal,
Vom reinen Bach umschlungen,
An welchem uns zum ersten Mahl
Die Vögel wach gesungen.

Doch wenn ein zweites Vaterland
Sich unser Herz erfindet,
Wenn Liebe dort mit eigner Hand
Uns an ein Mädchen bindet:

Auf einmal sehen wir, geweckt
Aus unsern Kinderträumen,
Den Baum, der Liebchens Hütte deckt,
Vor allen andern Bäumen.

Du kleines, väterliches Land,
Wo mir der Tag geschienen,
Als mich die erste Muse fand
Am Weidenbach, im Grünen!

Du gutes Land, wo Flur und Hain
In sichrer Einfalt blühen,
Wo rings sich um den deutschen Rhein
Die Trauben-Hügel ziehen!

Wie liebt' ich, o, wie liebt' ich dich,
Und weinte dir entgegen!
Wie sehnt' ich, o, wie sehnt' ich mich
Mit lauten Herzens-Schlägen!

Nun aber Lieb' im Busen wallt,
Nun geb' ich deine Freuden
Um einen öden Tannen-Wald,
Auf ungeschmückten Heiden;

Weil auf der Heide Liebchen wohnt,
Umweht von Tannen-Hainen,
Und freudenvoller Sonn' und Mond
Die Wipfel da bescheinen.

Den Traubenhügel, Flur und Bach
Und Alles will ich missen:
O Liebe! nur ein Hütten-Dach,
Mein Mädchen da zu küssen!



alle Gedichte von Jacobi                                                        nächstes Gedicht von Jacobi

alle Dichter und Gedichte

Keine Kommentare: