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2014-07-08

J.G.Jacobi- Gedichte: Liebe (36)




Liebe

O weh und aber weh dem Mann,
Der Schönes nicht auf Erden liebt,
Sich keines Dings erfreuen kann,
Sein volles Herz an keins ergibt!
O wehe, wer sich nie vereint
Mit Wies' und Quell und Blütenast,
Sein Mädchen auch und seinen Freund
Mit halber Seele nur umfasst!

Und wieder wehe, weh dem Mann,
Den Liebe zieht, den Liebe drängt!
Der Schönes sucht, und fest daran
Sein ganzes Herz auf immer hängt!
Wenn Erd' es trägt, verschwindets bald.
Der Blütenast am Quell verdirbt:
Im Freundesbusen wird es kalt;
Und ach! das treue Mädchen stirbt.

Mag lieben denn, mag lieben nicht!
O weh und aber wehe mir!
In Liebe strahlt das Sonnenlicht,
Und fällt auf lauter Gräber hier.
Was einst ich an mein Herz gedrückt,
Ist Asche nun und Totenbein;
Es sank, wo ich die Gruft geschmückt;
Ihm sinket nach der Leichenstein.

Wohin, wohin? Denn Lieb' ist Not,
Und Alles wankt, und Alles weicht;
Gebohren wird's und geht in Tod:
Wohin, so weit der Himmel reicht?
Zu dir hinauf, du Gotteskraft,
Die Baum und Wiesenquell erneut,
Ohn' Ende wirkt, ohn' Ende schafft,
Und noch das Grab voll Blumen streut!

O du, dein Atem ists allein,
Der allen Staub lebendig weht;
Du gabst den Sternen ihren Schein,
Und bleibst, wenn Erd und Meer vergeht.
Zu dir hinauf erhebe mich,
Zu deiner unsichtbaren Welt!
Da lebt und liebt's, und ewiglich
Wird bleiben, was an dir sich hält.



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