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2014-07-08

J.G.Jacobi- Gedichte: Lied II. (38)




Lied

Auf dem frischen Rasen-Sitze,
Hier am kleinen Wasserfall,
Hör' ich von des Turmes Spitze,
Frommes Glöcklein, deinen Schall.

Tönst, o Glöcklein, nennst ihn lauter,
Dem mein Herz entgegenbebt,
Ihn, der freundlicher, vertrauter
Hier im Grünen mich umschwebt.

Leise murmeln es die Bäche,
Das er Flur und Aue liebt,
Das die Rose, die ich breche,
Mir ein guter Vater gibt;

Das er aus der zarten Hülle
Selbst die goldnen Früchte winkt,
Und durch ihn des Lebens Fülle
Jede neue Knospe trinkt.

Schalle, Glöcklein! Ach, was bliebe
Jenem Himmel, diesem Grün?
Ach! kein Leben, keine Liebe,
Keine Freude, sonder ihn!

Morgens, wenn auf Busch und Pflanze
Kühler Tau die Perlen sät,
Stimmen froh im Sonnenglanze,
Vöglein mit in mein Gebet.

Und am Abend, wenn es dunkelt,
Seh' ich seinen milden Schein:
Wo das Heer der Sterne funkelt,
Wacht er über Tal und Hain;

Leuchtet mir auf meinen Wegen,
Labt die Wiese, nährt das Feld,
Spricht den väterlichen Segen
Über die entschlafne Welt.

Seiner freu' ich mich im Lenze,
Wenn man Veilchen-Kränze flicht;
Seiner, wenn die Schnitter-Tänze
Sturm und Hagel unterbricht.

Sollt' ich seiner mich nicht freuen?
Singen nicht, das Wolke, Wind,
Auch die Blitze, wenn sie dräuen,
In des Vaters Händen sind?

Das an öden Felsen-Klüften
Liebend er vorübergeht,
Und in düstern Toten-Grüften
Des Erhalters Atem weht?



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