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2014-09-05

Gedichte von A.v.Arnim: Blumen (6)




Blumen

Nieder zieht der Abendwind,
Wiegt in Schlaf manch schönes Kind,
Löscht die Lichter,
Doch es weckt der Vollmondglanz
Blumen zu dem Abendtanz,
Himmlische Gesichter.

Blumen springen aus dem Bett,
Waschen sich im Tau so nett
Und sich schmücken;
Manches krause weiche Blatt
Sich erst neu entfaltet hat
Ahnendem Entzücken.

Jede sich im Bach besieht,
Nun sie hin zum Tanze zieht,
Ob sie glänze.
Und das Bächlein wird so glatt,
Jeder zugemurmelt hat:
»Amor bringt dir Kränze.«

Alle Blumen schwesterlich
Grüßen, küssen, herzen sich
Hier im Kreise.
Jede wartet auf den Gott,
Der so oft nur leichten Spott
Gibt nach seiner Weise.

Nachtigall ist auch bestellt,
Sich im Laub verstecket hält,
Spielt zum Tanze;
Und ein jedes Gartenbeet,
Schon voll schöner Tänzer steht,
In dem Vollmondglanze.

Doch die Frauen sehen kalt
Auf die Herren jung und alt,
Und sich brüsten;
Denn ein Gott, der gilt viel mehr,
Als der Nachbarn Lustverkehr,
Die zum Tanz sich rüsten.

Nachtviole bleibt zu Haus,
Wagt sich nicht zum Tanz hinaus,
Steht vergessen;
Doch ihr Duft die Luft durchzieht,
Und der Feuerwurm erglüht,
Fliegt ihr zu vermessen.

Amor ist der Feuerwurm,
Und sein Licht, das löscht kein Sturm,
Machts nur heller;
Und er leuchtet Liebchen vor,
Führt sie selbst zum Tanz vors Tor,
Und der Tanz rauscht schneller.

Eintracht schien im bunten Saal,
Zwietracht kommt zu aller Qual,
Mit den beiden;
Weil der Gott von Lust und Leid
Einer zuflog, sucht der Neid
Sie mit List zu scheiden.

Gänseblümchen weiß nur nicht,
Wie sie zornge Blicke richt',
Ist verlegen;
Stetes Lachen läßt nicht gut,
Gar zu traurig sie nun tut,
Muß sich viel bewegen.

Ob wir schon viel klüger sind,
Als dies liebe weiße Kind,
Ruft Peone,
Kommt es uns doch nimmer ein,
Amor könne unser sein
Auf dem Götterthrone.

Doch wir bleiben hier allein,
Weil wir ganz geruchlos rein
Keinen locken;
So die Lilien seufzen still,
Weil sie niemand nehmen will,
Trotz der großen Glocken.

Tulpe hängt den Kopf sogleich,
Wie ein Vöglein hängt am Zweig,
Zu Narzissen;
Hat den Kelch ihm zugewandt
Spricht von Ehre und von Stand,
Und von dem Gewissen.

Rose lockt mit hellem Strahl
Nachtgevögel ohne Zahl,
In dem Zorne;
Jedem ihre Dornen reicht,
Daß er an dem Gott hinstreicht,
Und ihn blutig sporne.

Rittersporn und Eisenhut
Wählet sie im wilden Mut,
Zu dem Fechten;
Und das Tausendgüldenkraut
Bietet sie zur Werbung laut,
Als ein Lohn den Knechten.

Gleich der hohen dunklen Stadt,
Die sich rings gelagert hat
An dem Garten,
War hier Stille nur zum Schein,
Neid schlägt Licht zu seiner Pein,
Schlägt in Klingen Scharten.

Doch des Gottes leicht Geschoß
Jagt zurück den wilden Troß,
Ohne Schaden:
»Stören lasse ich mich nicht,
Gönne jeder ihren Wicht,
Bin ein Gott der Gnaden.«

Nachtviole hebt das Haupt,
Amors Feuer sanft bestaubt
Ihre Wangen:
»Jeder regt der Gott die Brust,
Gönnt dies Heute meiner Lust,
Laßt mich einmal prangen.

Morgen ist ein andrer Tag,
Wo er andre lieben mag
Nach Gefallen;
Zeigt nur, das ihr würdig seid
Dieser Liebe, die sich weiht
In der Einen allen.«

Frau Peone klüglich denk
An das goldene Geschenk,
Heb' den Schleier,
Sieh die Flamme an dem Platz,
Der jetzt trägt den reichen Schatz,
Heb' ihn auf den Freier;

Rose, sieh des Sternes Schein,
Er will ein Komet nun sein,
Er will schießen,
Spann die weichen Blätter aus,
Fällt der Stern dir nicht ins Haus,
Fällt er dir zu Füßen.

Und ihr Lilien, seht herab,
Steht er nicht auf einem Grab,
Seht die Flammen,
Sieh ihn, der mit Irrlichtschein
Sinkt in deinen Kelch hinein,
Nacht bringt euch zusammen.



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