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2014-09-05

Gedichte von A.v.Arnim: Der Jägersmann (9)




Der Jägersmann 

Nicht schießen soll der Jägersmann,
Er soll das Wild nun schonen,
Er gibt es Stück für Stück euch an,
Wie viel im Walde wohnen.

Vor niemand scheuet sich das Wild,
Sich gegen Bauern wehret,
Der zahme Bauer leise schilt,
Wenn es die Saat verzehret.

Verzehrt die Saat kein Hochgewild,
Das Jagdroß tritt sie nieder,
Der Fürst, der wenn es Hetzen gilt
Nicht schont die eignen Glieder.

Und ist der Hirsch so lendenlahm
Als wie die armen Bauern,
Da sieht ihn weinen eine Dam'
Und muß ihn sehr bedauern.

Das Leben wird ihm dann geschenkt,
Die weiche Dam' gepriesen,
Der Bauer endlich tot ihn denkt,
Sieht wieder ihn auf Wiesen.

Er schöß' ihn gern, hat kein Gewehr,
Der Fürst hat es genommen,
Auf sich genommen aller Ehr',
Und so ist sie verkommen.

Er denkt, er hat ein großes Heer,
Doch wenn einst Feinde kommen,
Sie schießen in den Wind so leer,
Der Schuss macht sie beklommen.

Der Jäger hat darum nicht Rast,
Hat Nachts den Wald durchkrochen,
Das er den Dieb gleich find' und faßt,
Der Holz im Wald gebrochen.

Die Luft ist dünn und schallet kaum,
An Sternen ist ein Flimmern,
Als fielen sie, der Erde Saum
Ist rot und Rädlein schimmern.

Es borst der Baum wohl in dem Forst,
Laß Jäger, laß dein Schleichen,
Die Not nur suchet da sich Trost,
Wo Wild muß heulend weichen.

Ein armes altes Weib er sah,
Sie kriecht mit Reis vorüber,
Der Frost ist ihm dem Marke nah,
Er schlägt die Händ' querüber.

Nun nimmt er ab, als er nun warm,
Das Bündlein Reis mit Tücken,
Und schlägt sie noch, das Gott erbarm'
Gar schmählig auf den Rücken.

Sie flucht: »So werde nimmer warm,
Ein ew'ger Frost dich kälte,
Ich bin nicht alt, ich schein' nur arm,
Und so das Feuer gelte.«

Er kehrt nach Hause zum Kamin,
Ein reiches Feuer findet,
Verbrennt den Bündel noch darin,
Der Fluch das Feuer bindet.

Die Flammen wenden sich von ihm
Wie von dem wilden Winde,
Sie brennen ihn, sie schmerzen ihm,
Und kälten ihn geschwinde.

Er starrt, die Sonn' beeiset ihn,
Die Federn ihn beschneien,
Der rasche Tanz durchzittert ihn,
Sein Weib muß bei ihm weinen.

Der Kirche Anblick macht ihn kalt,
Des Pred'gers Wort durchschauert,
So ward er jung schon weiß und alt,
Von keinem dann betrauert.

Die Sklaven machen den Tyrann,
Er kann nicht Sklaven schaffen,
Wo jeder Bürger fest als Mann,
Wer soll da einen strafen.

Da ist der Arme nimmermehr
Wie Sünder eingefangen,



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