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2014-09-06

Gedichte von A.v.Arnim: Gebet II (22)




Gebet II

O Herr, gieb deiner Gaben viel,
Damit Wir dich erkennen!
Die Sorge macht die Herzen kühl,
In Freuden sie entbrennen,
Und glühen für das ewge Heil
In dieses Lebens rascher Eil.

In deinem Lichte schwindet Neid,
Wie Reif in Frühlingssonne,
Wer trüge sich mit falschem Leid
In deiner Gnadenwonne!
Wer sehnte sich nach falschem Geist
Dem du den heilgen Geist verleihst!

Wen schreckte Furcht vor seinem Heil,
Der deinen Muth empfunden!
Wen tödtete die Langeweil,
Der thätig dir verbunden!
Wer fühlte nicht der Jugend Kraft,
Der je in deinem Geiste schafft!

In deiner Stunde that er mehr,
Der deine Ruh erfahren,
Als sonst betrübt und traurig sehr
In freudelosen Jahren.
Du bist allein die wahre Zeit,
Nach dir mißt sich die Ewigkeit.

Und eine Kirche baust du auf
In seligen Gedanken
Und einen Himmel auch darauf,
Die stehen ohne Wanken;
Und wo in Noth die Seele bebt,
Jedem dein Geist das Herz erhebt.

O Herr, du wahrer Frühlingstag,
Du kannst gefange Herzen lösen,
Wie auch das Wetter drohen mag,
Wie stark die Sehnsucht nach dem Bösen,
Du hältst was du verkündet hast,
Als du auf Erden unser Gast!

Ich grüsse dich, du reines Licht,
Mit meinem tiefsten Athem
Du schenckst dein freudig Angesicht
Und deiner Liebe Thaten,
Und breitest deine Hände aus
Hell segnend deiner Kinder Haus.

Wir knieen nicht auf hartem Stein,
Auf weichem Grab wir knieen;
Der Himmel ist so klar und rein,
Und alle Welt im Blühen;
Des Geistes Wort blüht ohne Zwang
Zu deiner Stimme süssem Klang!



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