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2014-09-05

Gedichte von O.J.Bierbaum: Traurig dreh ich meine Walze (44)




Traurig dreh ich meine Walze

Alte Leierkastenmelodien
Der alte Orgelmann singt

Einst in meinen Jugendjahren
Hab ich Liebe viel erfahren,
In der Beletage sowohl
Wie Sout’rain und Entresol.

Bin ein frecher Fuchs gewesen,
Machte nicht viel Federlesen,
Rupfte hier und rupfte da,
Lina, Laura, Lucia.

Als Student hat man es leichte,
Denn es heißt selbst in der Beichte:
Studiosus fecit id?
Macht ein Rosenkränzlein quitt.

Und so lebt man wie die Finken,
Drückt auf rauh und glatte Klinken,
Führ’n sie nur zum Kämmerlein,
Wo die lieben Mädchen sein.

Jetzo bin ich alt geworden
Und im grauen Katerorden
Allerält’ster Senior;
Kommt mir selber putzig vor.

Von dem ganzen Lie-la-lieben
Ist kaum ein Gedicht geblieben,
Das erbärmlich klagt und klingt
Und Erinnerungen singt.

Traurig dreh ich meine Walze,
Die, belaugt vom Tränensalze,
Förmlich um Erbarmen fleht,
Weil es mir so übel geht.

Lass’ ich meine Walze rasten,
Dreht da drüben ihren Kasten
Laura, einst die schönste Maid,
Jetzt ein Weib im Lumpenkleid.

Sie auch hat es toll getrieben
Mit dem gottverfluchten Lieben,
Darum, hör es, Publikum,
Dreht sie das Harmonium.

O ihr netten, jungen Leute,
Liebt mit Maßen und gescheute,
Bis ihr, tadellos gesund,
Schließet einen Ehebund.

Denn die allerschlimmste Ehe
Tut noch immer nicht so wehe
Wie das Leierkastenspiel,
Denn das ist kein Lebensziel.

Kinderzeugen dahingegen
Macht Vergnügen und bringt Segen
Wenn’s geschieht im Ehebett
Standesamtlich und honett.


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