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2014-09-15

Gedichte von R.Baumbach: Die Lindenwirtin (12)




Die Lindenwirtin

Keinen Tropfen im Becher mehr
Und der Beutel schlaff und leer,
Lechzend Herz und Zunge. -
»Angethan hat mir's dein Wein.
»Deiner Aeuglein heller Schein,
»Lindenwirthin, du junge«

»Angekreidet wird hier nicht,
» Weil 's an Kreide uns gebricht,«
»Lacht die Wirthin heiter.
»Hast du keinen Heller mehr,
»Gieb zum Pfand dein Ränzel her,
»Aber trinke weiter!«

Tauscht der Bursch sein Ränzel ein
Gegen einen Krug voll Wein,
Thät zum Gehen sich wenden.
Spricht die Wirthin: »Junges Blut.
»Hast ja Mantel. Stab und Hut:
»Trink und lass dich pfänden!«

Da vertrank der Wanderknab
Mantel. Hut und Wanderstab.
Sprach betrübt: »Ich scheide.
»Fahre wohl du kühler Trank.
»Lindenwirthin jung und schlank.
»Liebliche Augenweide!«

Spricht zu ihm das schöne Weib:
»Hast ja noch ein Herz im Leib;
»Lass mir's, trauter Wandrer!«
Was geschah? - Ich thu's euch kund:
Auf der Wirthin rothem Mund
Brannte heiss ein andrer.

Der dies neue Lied erdacht,
Sang's in einer Sommernacht
Lustig in die Winde.
Vor ihm stund ein volles Glas,
Neben ihm Frau Wirthin sass
Unter der blühenden Linde.



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