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2014-09-17

Gedichte von R.Baumbach: Nächtliche Wanderung (20)



Nächtliche Wanderung

Die rothen Wolken blassen,
Es schweigt der Vogelsang,
Und lauter in den Gassen
Erschallt mein müder Gang.
Es wandelt auf und nieder
Der Schlaf von Haus zu Haus
Und küsst die Augenlider
Und lösch die Lampen aus.

Durch einen Fensterladen
Dringt röthlich trüber Schein.
Dort dreht vielleicht zum Faden
Ein emsig Kind den Lein.
Jetzt stockt vielleicht die Spule,
Der Faden reisst vielleicht,
Dieweil der kecke Buhle
Zu seinem Liebchen schleicht.

Die goldnen Kreuze scheinen
Herab vom Kirchendach,
Und bei den Leichensteinen
Ist auch noch Einer wach.
Er bricht den Grund, den feuchten
Und schaufelt stumm und still. -
Nun weiss ich, was das Leuchten
Dort drüben sagen will.

Ich wandre still von hinnen,
Vorbei an Kreuz und Gruft;
Die Wasser lauter rinnen.
Und kälter weht die Luft.
Von Nebel überwoben
Sind Wiesen und Getraid;
Die Sterne wachen droben,
Und unten wacht das Leid.



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