> Gedichte und Zitate für alle: K.Kraus- Aphorismen: Mann, Frau, Sex u. Moral: Wo ist das Weib hin.....(22)

2014-09-01

K.Kraus- Aphorismen: Mann, Frau, Sex u. Moral: Wo ist das Weib hin.....(22)




Wenn man vom Sklavenmarkt der Liebe spricht, so fasse man
ihn doch endlich so auf: die Sklaven sind die Käufer. Wenn sie
einmal gekauft haben, ist’s mit der Menschenwürde vorbei: sie
werden glücklich. Und welche Mühsal auf der Suche des Glücks!
Welche Qual der Freude! Im Schweiße deines Angesichts sollst
du deinen Genuß finden. Wie plagt sich der Mann um die Liebe!
Aber wenn eine nur Wanda heißt, wird sie mit der schönsten
sozialen Position fertig.
Wie eine lebensfähige Frau ihren faulen Frieden mit der Welt
macht: Sie verzichtet auf die Persönlichkeit und bekommt dafür
die Galanterien zugestanden.
Wie schön, wenn ein Mädchen seine gute Erziehung vergißt!
Wo ist das Weib hin, dessen Fehler ein Ganzes bilden!
Woran sollte sich der Geist besser laben als an weiblicher Torheit, die hinter geistvollen Zügen steckt? Wenn die Frau ist, was sie scheinen soll, ermattet der männliche Verstand. Das Wunder tiefsinniger Banalität wird der Welt seit den Tagen der Phryne offenbar; sie genießt es, aber sie will daran nicht glauben. Weil die geistig hochstehenden Männer Griechenlands den Verkehr mit Hetären suchten, müssen die Hetären geistig hochstehende Frauen gewesen sein. Sonst hätten wir keinen Respekt vor den alten Griechen. Darum hat die Kulturgeschichte das Bildungsniveau athenischer Freudenmädchen so gut es ging erhöht Die christliche Erziehung sähe es gern, das die Hysterie, die sie in die Welt gebracht hat, rückwirkende Kraft besäße. Sie wird sich aber doch dazu verstehen müssen, die Mänaden aus dem Spiel zu lassen und bloß die Hexen zu verbrennen, zu denen sie die Frauen ihrer Zeit gemacht hat.
Wo sie hintrat, wuchs kein Gras, außer jenes, in das sie die Männer beißen ließ.


Ende


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