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2014-10-27

Gedichte von O.Reutter: Aber der Mann (1)




Aber der Mann

Immer nur lobt man und preist man die Frau.
Ihr weiht man Lieder — uns drückt man nieder.
Das ist ein Fehler, wir sind zu galant —
Und dadurch werden die Fraun arrogant —
Schaun auf uns runter und bilden sich ein,
Mächt’ger und schöner als wir noch zu sein.
Aber der Mann — aber der Mann —
Der ist der erste, er denkt nur nicht dran.
Wer ist der Meister, der Herrscher, der Held?
Er ist’s, denn er kam zuerst auf die Welt.
Aus einer Rippe kam Eva alsdann,
Die war nichts wie ’ne Filiale vom Mann.

Wir sind die Ersten, und wir gehn voran,
Wir üben Taten - wir sind Soldaten,
Wir sind im Reichstag, wir herrschen im Land,
Wir sind auch schöner — das liegt auf der Hand.
Schon bei den Tieren — das lehrt uns ein Blick,
Da stehn die Weibchen entschieden zurück.
Aber der Mann - aber der Mann —
Ist bei den Tieren auch stets vornean.
Wenn man ’nen Löwen, ’nen Hahn sich beschaut
Löwin und Huhn sind nicht halb so gebaut.
Und bei dem Menschen ist’s grad wie beim Tier:
Die Männer sind schöner - das sehn Sie an mir.

Wir sind vernünft’ger als unsere Fraun —
Uns plagt die Mode - nicht halb zu Tode -
Aber die Fraun — macht es ihnen auch Qual —
Die leben stets nach dem Modejournal -
Schnürn, komplettiern und probiern ohne Ruh;
Kriegen von hinten die Bluse nicht zu.
Aber der Mann — aber der Mann —
Der hat ’s bequemer, zieht praktisch sich an,
Schlüpft schnell in Rock und in Hose hinein.
Aber die Frauen, die könn’s nicht allein —
Die komm’n beim Anziehn und Ausziehn in Zorn.
Wir machen’s schneller — die Knöpfe sind vorn.

Ist eine Maid in ’nen Jüngling verliebt,
Darf sie nicht wagen, ihm das zu sagen.
Nein, sie muß warten, bis er sagt: »Sei mein!«
Auch in der Ehe herrscht er nur allein.
Sie darf nicht sagen: »Komm, küß mich doch nur,
Ich bin heut gar so verliebter Natur!«
Aber der Mann - aber der Mann -
Der hat das Recht, wenn er will, fangt er an.
Er braucht nur sagen: »Komm, gib mir ’nen Kuß!«
Er braucht nur wollen - die Frau aber muß.
Er küßt die Frau - und er ladet sie ein -
’s braucht nicht mal immer die eigene sein.

Nimmt man mal heute ein Witzblatt zur Hand,
Kann man stets schauen - Witze auf Frauen.
Auf Schwiegermütter werdn Witze gemacht,
Der Schwiegervater wird niemals verlacht.
Schon die Natur schuf uns anders wie sie —
Fraun kriegen Kinder, habn Plage und Müh.
Aber der Mann — aber der Mann -
Der tut, als geht ihn die Sache nichts an.
Vettern und Basen, die fragen geschwind:
»Wie geht’s der Mutter, wie geht’s dem Kind?«
»Was machen beide?« wirf oftmals gefragt.
»Was macht der Vater?« hat noch keiner gesagt.

Wenn man die Fraun auf dem Ball sich beschaut,
Wie sie sich rüsten — wie sie sich brüsten —
Wie sie sich kleiden so ganz raffiniert.
’s wird eben stets auf den Mann spekuliert.
Die Kleider ganz eng wegn der schönen Figur;
Manchmal, da ist es mehr Kunst wie Natur.
Aber der Mann - aber der Mann -
Hat alles echt — und an dem ist was dran.
Aber er zeigt’s nicht — käm’n wir im Trikot,
Wärn wir doch auch viel schöner wie so.
Manch eine Frau hat ’nen herrlichen Mann,
Gehn Sie nach Hause — schaun Sie ’n sich an!


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