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2014-11-26

Gedichte von F.Hebbel: Die tragische Kunst (35)




Die tragische Kunst 

Wohl soll die Kunst euch stets erfreu'n,
Selbst durch das blut'ge Trauerspiel,
Nur müßt ihr nicht das Mittel scheu'n,
Durch das sie's hier erreicht, dies Ziel.
Die Sonne lacht euch ohne sie,
Euch ohne sie das Morgenrot,
Allein der Schmerz erquickt euch nie,
Und nie der Tod, der bitt're Tod.
Sie nötigt Beide, es zu tun,
Sie führt sie nah' genug heran,
Das keine Kraft in euch mehr ruh'n,
Das jede sich nur steigern kann;
Sie hält sie dennoch fern genug,
Das euch ihr Stachel nicht verletzt,
Und das nur, wer schon selbst dem Fluch
Verfallen ist, sich noch entsetzt.
Verkehrt sie denn mit Tod und Schmerz,
So tut sie's, stiller Hoffnung voll,
Das eben dadurch euer Herz,
Wie nie, von Leben schwellen soll,
Und das ein einziger Genuss,
Wie keine Lust ihn euch gewährt,
Euch Seel' und Sinn erfrischen muß,
Wenn sie das Grauen selbst verklärt.


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