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2014-12-29

Gedichte von R. Dehmel: Rückkehr (70)




Rückkehr

Ich seh in deine Augen wieder,
so friedetief, so tief und bang;
da schweigen all die falschen Lieder,
die wild in mir mein Unhold sang.

Du darfst den trüben Wahnsinn wissen,
der grässlich lacht in mir und schreit,
das ich vom Mutterleib gerissen
zu graunvoll freudelosem Streit,

das mich Natur mit allen Trieben
im Schoss der Wonne schon verdammt,
das Die verflucht sind, die mich lieben,
das Meine Glut nur Unheil flammt.

Du, Du, die Eine, hast ergründet
mein innerst Sündenangesicht,
hast mich entsühnt, zu Glut entzündet
in mir der Reinheit schwaches Licht!

Von Deinen heil'gen Seelenblicken
glänzt meiner Sinne dumpfe Flur,
mir löst ein menschliches Entzücken
die rohen Ketten der Natur!

In Tränen stirbt mein irres Bangen,
ob ich berufen sei zum Glück;
sieh mein verröchelndes Verlangen,
die Klarheit gabst du mir zurück!


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