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2014-12-29

Goethes Tagebücher: August 1822



August 1822


1.08.

Den gestern erhaltenen Brief von Dr. Henning näher betrachtet. Nebenstehendes abgeschlossen und expedirt: Serenissimae. Meinem Sohn, Weiar. - Keferstein von Halle, auf geologischer Durchreise, mit dem jungen Tournon von Paris, auf der Schule von Ilefeld in Pension. Graf Sternbergs Reise in das Ober-Italien. Mittag für mich. Rath Grüner bezeichnete die Gebirgs-Arten. Stadelmann hatte die Coburger Folge zurechtgelegt und Nummern geschrieben. Um 4 Uhr nach Franzenbrunn Visiten. Traf niemand. Abends obenbenannte Reisende. Über den Ursprung der Salzquellen. Graf Sternbergs Reise.

2. 08.

An v. Henning vorbereitet; anderes redigirt. Starcker Regen. Bey Polizeyrath Grüner; Pfarrer von Lohma daselbst. Mittag für mich. Sammlung eingepackt. Graf Sternberg Reise. Bey'm Pater Prior der Dominikaner. Dessen Naturalien Cabinet von einem verstorbenen Bruder herrührend angesehen. Ingleichen die Bibliotheck. Beweglicher Pult. Artiger Mechanismus. Polizeyrath Grüner, Verabredung auf morgen. - An Prof. Kosegarten nach Jena.

3. 08.

Vorbereitung zur Abfahrt. Abgefahren 8 3/4 bey kaltem Nordwest. Herr Bergmeister Ign. Lößl kam bis über Zwota entgegen und führte den guten Weg. Angekommen 12 1/2 Uhr. Lage von Falkenau, am Zusammenfluß der Zwota und Eger. Neuer Brückenbau. Eingekehrt. Mineralien beschaut. Mittag zu vier. Cabinet besehen. Verehrte uns schöne Stufen. Abends zu dreyen. Unterhaltung über kirchliche Bezüge und über einen Naturdichter, Nahmens Firnstein, ward einiges Lobenswerthe vorgelesen. Stadelmann nach dem Brandschiefer.

4. 08

Eingepackt. Abgefahren 10 1/2 Uhr. Angekommen in Hartenberg um Eins. Wohl empfangen. Unterredung mit dem Grafen. Über seine Herrschaft. Ökonomie. Verbesserungen, Schloßreparatur, Bibliotheck pp. Zu Tafel waren der junge Graf, zwey Damen und die Lehrerinn einer Brüßler-Spitzen- -Schule zu Goffen-Grün. Nach Tafel Mineralien Cabinet. Schöne Blenden von Ratiborschitz. Aufgegebnes Werck. Sodann Proben der Spitzen-Arbeit mit der Nadel. Band Zeitungen von 1813. Wundersame Lecktüre. Abends zu Baronesse Eben, welche auf ihrer Rückreise von Wien durch einen Sturz des Wagens sehr an den Hüften beschädigt war, doch sich munter und freundlich erwies. Nach Tafel Gespräch mit dem Grafen über die Ligoristischen Durchtriebenheiten, Werners Rosenkranzpredigt. Von Josephs Zeiten, Literatur, Abbate Casti. Las Nachts genannte Narren-Sermon im Auszuge; ausgeführt im Januar des Hesperus von Dr. Hein, einem Augen und Ohren Zeugen.

5. 08.

Die Lehrerinn der Spitzen-Schule zeigte vor das Muster Buch, in Prag gefertigt, sehr schön; ferner die Arbeit auf durchstochnem grünen Pergamen, den Zwirn, die Nadel; sie verehrte mir ein selbst verfertigt Stück. Der Graf und Sohn. Abgefahren 6 1/2. In Franzenbrunn, Frühstück 10 1/2. In Eger 12. Ausgepackt, geordnet. Reuß Franzenbrunn. Notata mundirt. Mittag für mich. Stadelmann fing an den Catalog. Lieutenant Eichler von Berlin, gegenwärtig in Franzenbrunn. Erzählend von Hegel, Henning, Mitscherlich, Rose Gebrüdern, Ioannes Boemus. Geologica ferner geordnet. Zeitig zu Bette.

6. 08.

Früh aufgestanden. Notata einzuschreiben fortgefahren. Nebenstehendes: An Dr. Sulpiz Boisserée mit Assignation auf 70 fl. Rhein. (abgegangen Donnerstag d. 8.). - Kapellmeister Tomaschek von Prag. Stadelmann fuhr fort zu numeriren und zu katalogiren. Halb eilf zu Gerichtsadvokat Franck, wo Tomascheck von meinen Liedern spielte, sang und glücklich vortrug. Für mich bis sechs Uhr, wo Gerichtsadvokat Franck, Tomascheck und Rath Grüner mich besuchten; Sie entfernten sich einzeln. Letzterer blieb bis spät. Über musicalische Composition, Tomaschecks Ver-dienste, und was ihm zu wünschen.

7. 08.

Mineralien gepackt. General-Münz-Wardein Loos, der Sohn, von Berlin. Seiner eignen Medaillen Fabrikation erwähnend. Freund der Mineralogie. Studien der Münzen des Mittelalters verfolgend. Nach Tische mit Rath Grüner nach Schönberg. Interessante Lage, viel Gesellschaft der obern und mittleren Klassen. Kramladen, als über der Gränze gelegen, sehr besucht. Schöne Bestandtheile des Granits einzeln. Um 9 Uhr zu Hause.

8. 08.

Die Abschriften begonnen, sowohl der Steinverzeichnisse als einiger Briefe. Bey Frau Grüner, Cattun ausgesucht für Gossengrün. Sehr schöne Militarmusick. Ein Wagen ungarischer Knuppern, eine Art Gallus hielt vor dem Hause. Nähere Betrachtung und Untersuchung. Zu Huß. Dessen Mineralien, dann einen Theil seiner Münzsammlung durchgesehen. Motive von Carita bey der Birnverkäuferinn unter meinem Fenster. Nachts Polizeyrath Grüner. Manzoni's Ode gelesen. - Prof. Zelter nach Berlin.

9. 08.

Mineralien geordnet und eingepackt. Um 1 Uhr nach Schönberg. Zum Pfarrer des Orts. Dessen Mineralien besehen, besonders die vom Cappelberg beachtet, zum Geschenck erhalten. Personen gesprochen: Dr. Iwan Dr. Lehner . von Prag. Joh. Fr. v. Hempel von Stettin, Königl. Pr. Oberlandsgerichts- Präsident. Auch den Sohn. - Hofrath Meyer, Weimar.

10. 08. Eger.

Mundiert und Konzepte diktiert. Graf Choloniewsky, Pole. In dessen Familie Werner solange gut aufgenommen war. Fikentscher, junger Chemiker und Fabrikant von Redwitz. Mit Grüner. Fortgesetzte Schreiberei. Nach Tische Major von Staff, von Marienbad kommend. Polizeirat Grüner wegen der Tour nach Redwitz. Major v. Staff wegen seiner Abreise. Munda vollendet. Mit Grüner zur Eiche, durch die Tuchrahmen, die Höhe hinauf. Schöne Aussicht ins Egertal. Zum Obertor herein. Für mich einige Stunden. Nächstes vorbereitet. Rat Grüner, neue Zeitungen bringend. Konfuse Welt!

10. 08. Redwitz

Als an Napoleons Geburtstag, an welche mich wieder ein eigenes Feuerwerk erleben sollte. Um 8 Uhr mit dem Sohne weggefahren; zuerst den Bach Kössein zur Rechten, dann bei Brand über genanntes Wasser, den Berg hinauf einen schrecklichen Basaltweg, auf die Glashütte, wo siebenzehn Menschen arbeiteten. Es werden große Fenstertafeln gefertiget; wir sahen die ganze Manipulation mit an, die wirklich furchtbar ist. Sie bliesen Walzen von 3 Fuß Höhe, in verhältnismäßigem Durchmesser. Diese ungeheuren Körper aufschwellen, glühend schwingen und wieder in den Ofen schieben zusehen, je drei und drei Mann ganz nah nebeneinander, macht einen ängstlichen Eindruck. Dann weiß man die Walze, die erst unten rundlich geschlossen ist, mit immer fortgesetzter Erhitzung zu öffnen, daß Glocken daraus entstehen, diesen wird die Mütze genommen, die Walze selbst durch ein glühend Eisen getrennt, damit sie sich auseinander gebe, welches im Kühlofen geschieht. Das alles geschieht mit der zerbrechlichsten, glühend biegsamsten Masse, so takt- und schrittmäßig, daß man sich bald wieder beruhigt. Das Gefährliche mit Sicherheit ausgeübt, erregt eine bängliche Bewunderung; es fielen mir die Kunstreiter dabei ein. Dafür aber ist es auch die strengste Gilde, die nie ihren Handwerkszwang aufheben wird noch kann: denn hier zeigt sichs, was einer versteht und vermag, es ist am Tage, wer Lehrling oder Meister sei. Sie sind sehr gut bezahlt, aber man fordert viel von ihnen. Man zeigte mir einen Arbeiter, der in seinem 28. Jahre noch nicht den Gesellenstand hatte erreichen können, und setzte hinzu: er werde niemal ein tüchtiger Glasmacher werden. Auf meineFrage: was er anzufangen hätte, wenn er von diesem Handwerke abginge? versetzte man: es bliebe nichts übrig als Taglöhner zu werden, da ihm denn sein itziger Lehrlingsstand einträglicher wäre.


Die Glashütte ist gemeinschaftlich, diesmal arbeitete der Teilnehmer von Wunsiedel. Auf dem Zimmer, welches der junge Fikentscher bewohnt, wann die Reihe an sein Haus kommt, fanden wir zufällig zurückgelegte, schnell gekühlte, kleine Glaskolben, deren ausgeschnittener Boden die entoptische Erscheinung trefflich gab, wozu uns ein ganz reiner Himmel vollkommen begünstigte. Wir ließen sodann einen Glasstab schnell verkühlen und fanden ihn seiner Gestalt gemäß höchst schön entoptisch.


Wir fuhren den schrecklichen Weg zurück und ich wäre, der Mittagshitze ungeachtet, den Berg gern hinabgegangen, hätte mein junger Begleiter sich nicht vor kurzer Zeit auf einer Fußreise an dem Hacken beschädiget. Weiter unten am Wasser fanden wir schöne Urgebirgsarten, welche besonders zu beschreiben sind.


Mittags mit der Familie. Zustände früherer Zeiten, sowohl auf die Stadt, als die einzelnen bezüglich, wurden durchgesprochen. Sodann wendete man sich zu chemischen Versuchen. Das trübe Glas bei hellem Grund gelb, bei dunklem blau erscheinend, geriet fürtrefflich, mit aufgestrichener Salzsäure; das entoptische Täfelchen wollte nicht völlig gelingen. Bedeutendes Gewitter von Westen nach Osten ziehend. Ich las in Kunckels Glasmacherkunst und bewunderte den Gehalt dieses Werkes aufs neue. Die Karte von Bayreuth in acht Blättern von Hannbaum diente, mich in der Gegend zu orientieren. Abends Inspektor Schlommer, Syndikus Schmalz, Aktuar Schnetter. Von vergangenen und gegenwärtigen Dingen. Man scheint mit der bayerischen Regierung wohl zufrieden und sucht sich, was Handlung und Gewerbe betrifft, nach und nach, da Böhmen gesperrt ist, andere Konnexionen in dem Reiche selbst.

11.08.


Nebenstehendes: Major v. Staff, Franzenbrunn. Von Henning, Berlin. - Tagebuch dicktirt für Weimar. Nach zwölf abgefahren, in Waldsassen angekommen ...... Ort und Kirche und Gelegenheit im Ganzen. Nach Tische zur Kirche, Bibliotheck, altes Refecktorium. Fand viele Franzenbrunner Gäste; auch Herrn Loos. Bemerckungen desselben über die Schnitzwercke der Bibliothek. Ein alter pensionirter Custos, ehmals Koch, zeigte uns umständlich die Lage des Gartens, den Lauf der Wondra und die Vorkehrungen der alten guten Zeiten an Gebäuden, Brücken, Mauern u. f. w. Wir fuhren zurück. Bedecktes, angenehmes Wetter, durchaus.

12. 08.

Mundirt, geordnet, gepackt, damit vor der Abreise nach Redwitz gute Ordnung sey. Den Steinschranck zu Grüner. Herr Wilhelm von Schütz kommend von Franzenbrunn; besprochen ward seine Tragödie Karl der kühne, sein zweytes Heft der Morphologie. Schlesische Alterthümer. Zeitig zu Bette. Hatte Briefe erhalten von Serenissima, einer zu Bremen wohnenden Irrländerinn. Von meinem Sohne Jenaische Expedition.

13.08

Nebenstehendes: Serenissimae. Meinem Sohn, Weimar. - Geordnet und abgeschlossen. Alter Krug von 1651 angeschafft. Um 3 Uhr Nachm. abgefahren, durch Waldsassen und Mitterteich, um achte in Redwitz. Eingekehrt bey Herren Fickentscher, Fabrickherren.

14. 08.

Die Lage des Orts, den Zustand des Hauses, die Thätigkeit der chemischen Fabrik betrachtet. Mineralien- Kabinet des Sohnes. Polizeyrath Grüner fährt weg. Ich beschaue mit dem Vater von den Höhen über der Stadt die Gegend. Er unterrichtet mich von alten und neuen Zeiten. Fruchtbarkeit und Bevölkerung.

15. 08.


Napoleons Geburtstag. Mit dem Sohn über Brand nach der Glashütte, aus dem Reichsforst. Siebzehn Arbeiter in Thätigkeit, Walzen von drey Fuß Höhe zu Fenster-Tafeln zu blasen. Schnell verkühlte Gläser und Stäbe, auffallend entoptisch; der klarste Himmel den Versuchen günstig. Mittags heitrer Familien- Tisch. Trübes Glasgeräth; entoptisches läßt zu wünschen übrig. Kunckels Glasmacherkunst. Karte von Bareuth von Hannbaum, in 8 Blättern. Abends Honoratioren des Orts.

16. 08. Redwitz. 

Ganz den pyrotechnischen Versuchen gewidmet. Die trüben Scheibentäfelchen gelangen zuletzt in allen Abstufungen vortrefflich und wurden zu Dutzenden fertig,

wo durch einer meiner sehnlichsten Wünsche erfüllet war. Die entoptischen Blättchen ließen zu wünschen übrig, doch wurden zwei schwarze Spiegel kunstgemäß gefertigt und das entoptische Gestell aufgerichtet. Die Atmosphäre war ungünstig. Abends dem Vater und Sohn die entoptischen Phänomene zur Einsicht geführt, damit man auf den eigentlichen Zweck loszuarbeiten sich im Stande sähe. Ich las in Kunckels Glasmacherkunst weiter und nahm mir vor eine Übersicht dieses Werks zugeben. Die Staatsverhältnisse kamen abermals zur Sprache. Die frühere markgräfliche Regierung war dem Lande sehr günstig, auch rühmt man die preußische. Des Geldes war soviel, daß Freunde es einander zu 1 1/2 Prozent besorgten und 3 Prozent für wucherlich angesehen wurde; die Invasion der Franzosen machte diesem utopischen Zustand ein Ende.

17. 08. Redwitz

Die trüben Täfelchen gemustert und die meisten trefflich gefunden. Das Durchglühen und Abkühlen der entoptischen fortgesetzt. Schon gelang es besser. Das Gestell völlig eingerichtet. Ungünstigster Wolkenhimmel. Mittag Zustand von Kulmbach. Vorher mit dem Vater mancherlei. Verhältnis der Protestanten zu den Katholiken in Bayern. Evangelische Presbyterien vorgeschlagen und abgelehnt. Fortgesetzte chemische Versuche. Berthollets Chemie. Abends für mich, vorläufig Briefe diktiert.

18. 08. Redwitz

Gestrig Diktiertes korrigiert. Glastäfelchen eingepackt und Sonstiges. Kam Polizeirat Grüner und Frau, Unterhaltung mit ihm über die vergangenen Tage. Mit Fikentscher dem Vater über das Chemisch-Technische seiner verschiedenen Fabrikationen. Sämtliche zu Tische. Mancherlei dialektische Scherze mit Grüner. Erinnerung vergangener Zeiten. Die Alten können sie nicht vergessen, die Jungen finden sich behaglich ins Neue. Auf den Vorwurf, daß Redwitz niemals eine Polizei gehabt, erwiderte man scherzend, daß ebendeshalb Bier, Fleisch, Brot ohne Tadel, Coffeebrötchen wie nirgends. Der Hausherr braut im Dezember den Bedarf fürs ganze Jahr und hat die Keller dazu. Chemische Bemerkungen hiebei. Fuhren ab um 4 Uhr, nahmen in Waldsassen der köstlichsten Bratwürstchen mit; vor Nacht in Eger. Meist die beste Chaussee.

18. 08.

Voranstalt zur Abreise. Kam Polizeyrath Grüner und Frau; mit ihm die vergangnen Tage rekapitulirt. Mit Fikentscher dem Vater Wiederholung der näheren Umstände seiner chemisch-technischen Unternehmungen. Munterer Mittagstisch. Um vier Uhr abgefahren. Gute Chaussée über Mitterteich und Waldsassen. Vor Nacht in Eger.

19.08.

Dicktirt und mundiren lassen. Untersuchung des Bechers; war für Maximilian Churfürst v. Bayern bestimmt. In seinem Todesjahr 1651 gefertigt, Fürst Schwarzenberg der Sohn und Graf Hunyadi aus Ungarn. Empfohlen durch Wilhelm v. Schütz, dessen Morphologie II. Stück bringend. Bergmeister Lößl schrieb und sandte Firnsteins Leben und einige Gedichte. Nach Tisch fortgesetzte Canzley Arbeit. Abends Schillers dreysigjährigen Krieg bewundert, den Krug gepriesen, der mich das Werck aufzuschlagen veranlaßt. Polizeyrath Grüner Abends. Bisheriges durchgesprochen; auch wie es mit dem Druck von Firnsteins Gedichten allenfalls zu halten.

20. 08.

Abschriften für Weimar fortgesetzt. Kisten vollgepackt und zugeschlagen. Dreysigjähriger Krieg von Schiller. Fernere Ablösung vom Aufenthalt.

21. 08.

Nebenstehendes: Rentamtmann Rießner, inliegend: An Serenissimum, Tagebuch des Redwitzer Aufenthalts enthaltend; an meinen Sohn, Vorbereitung zum Empfang anempfehlend: Durch einen Boten nach Franzenbrunn, abgegangen d. 22. - Cicero pro Sexto Roscio Amerino. Der Schreiber ward abgerufen. Fortgesetztes Ordnen, Packen, Vorbereiten. Nach Tische weitere Munda und Conzepte. Nachts Polizeyrath Grüner. Recapitulation des Bisherigen. Was für das Prager Museum zu thun.

22. 08.

Munda aller Art fortgesetzt. Friedrich des Großen Handbillet restaurirt für Baron Brösigke. Kisten signirt und zum Abfahren bereit gestellt. Um elf Uhr zu Grüner. Noch ein Stück Kattun angeschafft. Carlsbader Mineralien geordnet. Schöne Militar Music. Nach Tische Abschriften fortgesetzt. Packete dem Abschluß näher gebracht. Nachts Rath Grüer. - An Prof. Zauper nach Pilsen. Zwey Kisten Gebirgs-Arten an Inspector Gradl nach Marienbad: für Graf Sternberg, für das Museum zu Tepl.

23. 08.

Abermals Munda. Vielfältig fortgesetzt. Schillers dreysigjähriger Krieg. Rath Grüner, nach Hartenberg fahrend. Verabredung wegen Sonntags. Möglichst abgeschlossen. Erlaß der Gesellschaft des vaterländischen Museums an Grüner. Plan und Absicht durchgedacht. Nächste Sendung an Gradl immer weiter geführt. Abends Cicero pro Sexto Roscio Amerino geendigt. Dr. Eduard Arendt, von Königsberg, besuchte mich spät, seine Dissertation: De Capitis ossei Esocis Lucii structura singulari, bringend.

24. 08. Eger.

Gedicht zu Friedrichs Handschrift. Munda. Notiz von Armatolen in der Zeitung. Gewitter von Mittag her; schlug ein ins Hinterhaus der Apotheke gegen meinem Fenster, zündete nicht. Waren schöne, von Eisen durchdrungene Hölzer von Pograd angekommen. Großer Holzmarkt. Dr. Arendt nahm Abschied. Ich hatte seine Dissertation näher betrachtet; er ist sorgfältig und brav, gehört aber zu den Singularisten. Bartholomäusfest bei den Kreuzherrn. Nach und nach ankommende Wallfahrer, auch das morgende Fest zu benutzen. Sonstige fromme Seelen zu Fuß und einspännig. Seiltänzer, die Verwundrung und Gelächter zu erregen wußten. Reinigung des Platzes; Gewinn des Mistes für jedes Haus.

25. 08.

Das Fest St. Vinzenz des Stadt Patrons gefeyert. Zwölf eingepfarrte Dörfer ziehen, den Geistlichen voran, mit Music, Trompeten und Paucken, über den Ring zur Hauptkirche, singend, unter dem Geläut der Glocken. Gegen acht Uhr die ersten. Nach geendigtem Hochamt und predigt, gegen zehn Uhr, kommen die jüngeren Mädchen paarweise in langem Zug und Stellen sich am Rathhause; dann die Knaben gleichfalls und schließen sich an, dann die Schützen Gesellschaft, sich gleichfalls anfügend. Mit dem Schlage Zehn ziehen die Kinder vorwärts und stellen sich weiter oben auf dem Ring und erwarten den Zug; die Bürgerschaft eröffnet ihn nach Handwerkern mit wunderbaren schwer zu tragenden steifen Fahnen. Die Bauern haben ihre Standarten abgelegt. Folgt die Schule nach den Classen von unten hinauf. Eine Abtheilung Schützen, wenig Mönche: fünf Capuziner, sieben Benedictiner, einige Chorherren. Kreuze. Dann der Dechant das Heiligthum tragend. Eine Abtheilung Schützen, der Rath und die Vorgesetzten. Frauen des Mittelstandes. Dann die Männer sämmtlicher Dorfschaften, dann die Weiber. Man wartet, bis sich ein Dorf wieder herstellt und in Masse einhergeht. So bewegt sich der Zug an der linken Seite des Rings hinauf, welcher sich oben links völlig in eine Seitenstraße verliert und nach einem proportionirten Umweg unten an der rechten Seite wieder hervorkommt, ehe das obere Ende ganz verschwunden ist. Nun geht es hinaus an der rechten Seite des Ringes, an der Hauptwache vorbey, die aber keine Honneurs macht. An der rechten Seite nunmehr löst sich der Zug auf, die Schützen ziehen mit lustigem Marsch vor des Hauptmanns Haus. Das Volk verläuft sich zum Theil. Die Soldaten waren unbewaffnet ruhige Zuschauer. - Nach zwölfen mit Polizeyrath Grüner nach Seeberg. Einfallender Regen, doch erfreuliche Lage. Erfuhren den Tod des Marquis von Londondery. Sprach nach Tische eine Gesellschaft Bade Gäste: Herr Justizrath Langhans, Justizkommissair Bode, beyde aus Berlin, Major von Dresler aus Dresden, Hofrath Tellemann und Frau, geb. von der Busche, aus Naumburg

26. 08.


Nebenstehendes: An Inspecktor Gradl, für Graf Sternberg das Mineralien Verzeichniß, Brief und Sträuschen; für v. Brösigke Friedrichs II. Schreiben restaurirt; für das Museum zu Tepl Verzeichniß. Kiste nach Weimar mit Mineralien. - Aufgeräumt und eingepackt. Mittag bey Grüner. Dr. Köstler von Wien. Über dortige Zustände. Rath Grüners neuacquirirte Mineralien besehen.

29. 08. Weimar.

Früh um 6 Uhr ab von Pößneck. Gedanken über eine ökumenische christliche Kirchenzucht. Anderes nächst zu Bearbeitendes überdacht. Mittag bei Major von Knebel eingetreten. Nach Tische kamen Geh. Rat von Einsiedel, Fräulein von Einsiedel, Demoiselle Pallard. Des Majors Absicht nach Weimar zu kommen durchgesprochen. Auf die akademische Bibliothek, daselbst alles reinlich und ordentlich gefunden. Gegen sechs Uhr in Weimar. Erneute Zimmer vorgefunden. Mit der Familie. Hofrat Meyer grüßte im Vorbeigehn. Abends Hofrat Rehbein. Nachtmusik. Verschiedenes Mitgebrachte ausgepackt und vorgelegt.

30. 08.


Briefe für morgen. Ausgepackt und geordnet. Fräulein Adele Schopenhauer. Ein junger Geistlicher aus Curland. Gräfin Julie Egloffstein. Mittag zu fünfen, Walther aß mit. Nach Tische Kupfer betrachtet. Professor Riemer. Hofrath Meyer. Beyde blieben zum Abendessen.

31. 08.

Nebenstehendes mundirt: Pr. Posselt Schlesische pp. meteorologische Tabellen nach Jena. Wesselhöft, Anfrage wegen des Drucks. - Bisher angekommene Briefe durchgesehen. Zu Ihro Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin, wo ich Frau von Henckel traf. Mittag zu fünfen. Nach Tische Herr von Spiegel; von Fritsch. Abends Oberbaudirector Coudray. Blieben mit Fräulein Ulrike lange zusammen. Die vielen Baulichkeiten dieses Jahrs wurden besprochen. Ferner Geschichten des Badeaufenthalts im Sommer. Über die Einweisung der katholischen Kirche in Jena, festgesetzt auf morgen. Manches über katholischen Glauben und Kirchenzucht. Notirtes und Gesammeltes auf der Reise vom

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