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2014-12-12

J.G.Herder- Gedichte: Der Affe und der Fuchs (10)




Der Affe und der Fuchs

„Ich ahme nach!“
So sprach
vom dunkeln Busch der Affe Nachhall nach.
„Und wer ahmt dir denn nach?“ so sprach
der Spötter Fuchs (er meint, es sei
Herr Aff im Busch) und schlich herbei.
Da war kein Affe, der da sprach:
„Ich äffe nach!“
Es war der Gottesmensch, der sprach:
„Ich ahme nach!“

Demütig groß, an eignen Kräften schwach
und ahmend nach
durch fremden Trieb, voll Allgewalt
in Gottes und in jeden Tiers Gestalt,
in jedes Art und seinem eignen Willen
jedwedem dienend und im stillen
Allherrscher, seinem Vater gleich,
sieh Menschenart, sieh Menschenreich!

Als Gott in weiter Welt
der Völker Grenzen stellt,
sprach er zum Norden: „Dir geb ich ein Mittelland,
Deutschland!
Es herrsch und dien in aller Welt
und meistr und ahme nach!“
Das Schicksal sprach.
Mein Vaterland,
erfüll dein hohes Los,
Nachahmen
im deutschen Namen,
durch arme Demut groß!
Hab immer nichts und gib mit reicher Hand,
lern immer und begabe mit Verstand,
gib ihnen allen Freiheit, Ruhm,
Gesetz, Erfindung, Eigentum
und sei verachtet und verkannt
und herrsche nur im Dienen!
Auf ewig wird dein edler Name grünen,
du mein nachahmend, dienend Vaterland,
Deutschland!


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