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2015-01-01

Gedichte von G.Herwegh: Berglied (2)




Berglied

Auf die Berge, auf die Berge,
Steig ich mit dem Morgenrot,
Ob ich da mit jungen Armen
Mög ergreifen meinen Gott;
Wo die Wolken sich gestalten,
Wo des Blitzes Werkstatt ist,
Unterm blauen Himmelszeltdach
Seiner Erd das Herz vergißt;
Wo dem armen kranken Kinde
Zu ein frischer Odem weht,
Wie er rein und unverdorben
Aus der Brust des Schöpfers geht,
Wo der Geist mit jeder Wolke
Ins Unendliche fort dringt,
Und die lang gebundne Seele
Keck aus ihren Schranken springt;
Auf die Berge, auf die Berge,
Weil ich jung bin, will ich ziehn,
Der im Tale nicht zu finden,
Auf den Bergen find ich ihn! -
Doch die Sehnen werden mürbe
Und der Mensch wird schwach und alt,
Und die Luft auf deinen hohen
Bergen, guter Gott, ist kalt.
Darum hab ich mir ein Plätzchen
Schon im Tale ausgewählt,
Und der allerschönsten eines,
Herz, in deiner schönen Welt.
Wenn ich erst ein Hüttchen unten
Und ein Liebchen drinnen hab,
Steiget Gott wohl von den Bergen
Auch zu uns ins Tal herab.

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