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2015-01-01

Gedichte von G.Herwegh: Die Arbeiter an ihre Brüder (5)




Die Arbeiter an ihre Brüder

Frei nach dem Türkischen

Wir schüren in den Essen
Die Feuer Tag und Nacht,
Wir schaffen selbstvergessen
Den Reichen ihre Macht.

Wir schürfen in dem Qualme
Der Gruben nach Metall,
Den Segen goldner Halme
Dankt uns der Erdenball.

Doch wenn das Korn gedroschen,
Dann heißt es: Stroh als Lohn,
Dann heißt’s: für uns den Groschen,
Den Taler dem Patron;

Dann heißt’s: für uns den Schrägen,
Das weiche Bett dem Gauch;
Dann heißt’s: Nichts in den Magen,
Und Kugeln in den Bauch!

Vergebens aus der Tiefe
Steigt der Beraubten Chor
Mit seinem Vollmachtsbriefe
Ans Glück, zum Licht empor.

Was hilft es, daß wir trotzen,
Solang noch mordbereit
Ihr gegen uns den Protzen
Die starken Arme leiht?

O weh, daß ihr, im Bunde
Mit ihnen, uns verließt,
Und daß ihr uns wie Plunde
Auf ihr Geheiß erschießt!

Ach, wenn sie euch nicht hätten,
Wär alles wohl bestellt;
Auf euren Bajonetten
Ruht die verkehrte Welt.

An euren Bajonetten
Klebt aller Zeiten Fluch;
Wir trügen keine Ketten,
Trügt ihr kein buntes Tuch;

Wir brauchten nicht zu fronen
Für Sultan und Wesir,
Nicht länger für die Drohnen
Zu darben brauchten wir.

Wir würden nichts mehr geben
An Sultan oder Scheik,
Und könnten bald erleben
Den großen Fürstenstreik.

Durch euch sind wir verraten,
Durch euch verkauft allein:
Wann stellt ihr, o Soldaten,
Die Arbeit endlich ein?

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