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2015-01-02

Gedichte von G.Herwegh: Im Herbst (14)




Im Herbst

Die Erde fordert kalt zurück,
Was sie der Welt im Lenz geliehen,
Ich sehe schäumend Glück um Glück,
Wie Schwalben, in die Fremde ziehen.

Ein Häscher, lauert schon der Tod
Im falben Kranz auf meiner Schwelle,
Und matter glüht des Himmels Rot
Im Spiegel der erstarrten Welle.

Der Sturm treibt Wolken durch das Tal,
Mich reißt’s hinaus in Nacht und Grauen;
Will der Vernichtung doch einmal
Tief in die dunkeln Augen schauen!

Ich hab gelauscht im Blütendrang
Dem Hohelied der Nachtigallen.
Heut soll mir nun der Grabgesang
Der Raben in die Ohren schallen! —

Wo nur das wunde Reh die Spur
Von seinem Blute ließ, im Schoße
Sich selbst verzehrender Natur
Berg ich mein Herz, das hoffnungslose.

Des Todes Schwirren saug ich ein
Gleich Sphärenklang mit allen Sinnen,
Und langsam fühl ich meine Pein
In Tränen mir vom Auge rinnen;

Seh um ein kommendes Geschlecht
Die Bäume friedlich sich entlauben,
In meiner Seele klingt es recht
Wie Glockenton und Kinderglauben.

Ich schreite, fromm gefaßt, nach Haus
Den stillen Pfad durch düstre Föhren;
Sind meines Lebens Neigen aus,
Soll hier der Wald mich sterben lehren.


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