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2015-01-02

Gedichte von G.Herwegh: Morgens (16)




Morgens

Schwere Dünste in dem Tale,
Wie gefangen liegt die Welt,
Nicht von einem leichten Strahle
Wird das dunkle Land erhellt.

Sonne kommt und wandelt solche
Nacht in tiefe, rote Glut,
Malt Goldstreifen drum, wie Dolche
Neben des Erschlagnen Blut.

Wie die Sonne aber ringen,
Wie sie sich verbluten mag,
Kann sie nicht die Schatten zwingen,
Er kommt nicht: der schöne Tag. -

Schatten, laßt der Berge Brüstung,
Schatten bleibt ihr jeder Zeit!
Schatten trotz der goldnen Rüstung,
Schatten trotz dem Purpurkleid!

Komm hervor, du junger Riese,
Und zerhau das Nebeltor,
Brich mit deinem starken Spieße,
Brich, du junger Held, hervor!

Ob die Sonne hinten bliebe,
Immer, immer blieb es noch
Eine schöne, goldne Trübe,
Aber Nebel, Trübe doch.


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