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2015-01-05

Gedichte von G.Herwegh: Sonett (19)




Sonett

Ich habe nie mein Elend mir vergoldet,
Stets seine Dolche schärfer noch gespitzt,
Und blutig, blutig auf mein Herz geritzt.
Ich habe nie den Reim als Arzt besoldet!

O das ihr endlich es mir glauben wolltet,
Wie tief der Tod mir in der Seele sitzt,
Wenn es in meinem Liede flammt und blitzt -
Ihr reichtet mir die Hand, statt das ihr grolltet!

Ihr wisset ja: Gewitter machen kalt:
So werd ich denn vor meinem Winter alt -
Was griff ich auch so frühe in die Saiten?

Allein - kein Menschenleben braucht’s zum Glück!
Ich fühlte oft, es ist ein Augenblick,
In dem wir uns die Ewigkeit erstreiten!
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