> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von L.H.C.Hölty: Der Mai (16)

2015-01-16

Gedichte von L.H.C.Hölty: Der Mai (16)




Der Mai

Der junge Mai erscheint und streuet Gold
Und Azur in die Lüfte,
Das Tal, besät mit Frühlingsblumen, zollt
Den Zephirn wieder Düfte.

Nun schlinget sich der Bach, vom kalten Band
Des Eises losgebunden,
Die Flur hinab, den sammetweichen Rand
Mit Kränzen rund umwunden.

In jedem Weilchen schwimmt Aurorens Bild,
Wenn sie den Tag erwecket,
Den ganzen Ost in ihren Purpur hüllt,
Den Berg mit Gold bedecket.

Nun sinket Dämmerung und grüne Nacht
Von jedem Wipfel nieder,
Nun wirbeln, wenn der Abendstern erwacht,
Der Nachtigallen Lieder.

Nun hüpft die Ruh, dort, wo das Quellchen schwätzt,
Im ätherblauen Kleide,
Mit ihrer Schwester, die der Erdball schätzt,
Am Arme, mit der Freude.

Sie fliehn die Stadt, den goldenen Palast
Und seine Marmorsäle,
Die Tafeln, die der weise Comus haßt,
Die schäumenden Pokäle.

Sie tanzen durch die Blümchen ihren Reihn,
Von Westen sanft gekühlet,
Und um den Schäfer, der im Buchenhain
Auf seiner Flöte spielet.

O dreimal glücklich, wer, an ihren Arm
Geschlungen, durch die Flächen,
Voll Herden, irrt, in Tälern, die kein Harm
Beschleichet, an den Bächen.

Sein Geist ist ruhig, wie der Sommersee,
Um den ein Wäldchen nicket,
Wenn Luna von des Himmels blauer Höh
Auf ihn herunterblicket.


alle Gedichte von Hölty                                                                                                               weiter

alle Gedichte und Dichter

Keine Kommentare: