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2015-01-18

Gedichte von L.H.C.Hölty: Lob der Gottheit (35)




Lob der Gottheit

Du bist es, Schöpfer, der durch einen Wink
Zahllose Welten schuf,
Der Rosen um des Morgens Stirne band
Und um des Abends Haupt

Den Kranz von Gold. Dich lobet die Natur,
Das bunte Veilchental,
Die Morgenröte, die ihr junges Bild
In jede Welle prägt.

Dich lobt der Westwind, der die grüne Flut
Der Saaten kräuselt, Dich
Erhebt die Windsbraut, die den Eichenwald
Entwurzelt und zerreißt.

Dich lobt der Donner, der am Himmel rollt
Und rote Blitze sprüht,
Der Wolkenbruch, der auf die Wiese fällt
Und sie in Meer verkehrt.

Dich loben Flocken, die das grüne Haar
Des finstren Tannenhains
Mit Silber überstreun und weißen Flor
Um die Gebüsche ziehn.

Die ganze Erde ist Dein Lobgesang,
Und Hymn’ auf Hymne steigt
Zu Deinem Thron empor, wo Du im Licht,
Wie im Gezelte, wohnst.

Verstummest du allein, du Mensch? Erwach
Vom Schlummer, der dich drückt,
Wirf deine Blicke ringsumher, und sieh
Die Wunder seiner Macht.

Preis deinen Schöpfer, wenn der frühe Hahn
Den Morgen ausposaunt,
Erheb ihn, wenn das milde Abendrot
Die Hügelspitzen malt.

Erheb ihn, wenn die Nacht der See entsteigt
Und ihr Gewand, durchwebt
Mit goldnen Sternen und mit Mondenschein,
Rund um den Himmel wirft. -

Preis ihn durch Hymnen, heiliges Gefühl
Ergreife dich, wenn du
Den Schöpfer denkst, der dich ins Leben rief,
Den Gott voll Gnad und Huld.


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