> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von M. Claudius: Der Mann im Lehnstuhl (13)

2015-01-07

Gedichte von M. Claudius: Der Mann im Lehnstuhl (13)



Der Mann im Lehnstuhl

Saß einst in einem Lehnstuhl still
Ein viel gelehrter Mann,
Und um ihn trieben Knaben Spiel
Und sahn ihn gar nicht an.

Sie spielten aber Steckenpferd
Und ritten hin und her:
Hop, Hop ! und peitschten unerhört
Und trieben ’s Wesen sehr.

Der Alte dacht’ in seinem Sinn:
»Die Knaben machen’s kraus;
Muß sehen lassen, wer ich bin.«
Und damit kramt’ er aus;

Und machte ein gestreng Gesicht
Und sagte weise Lehr’.
Sie spielten fort, als ob da nicht
Mann, Lehr’, noch Lehnstuhl wär’.

Da kam die Laus und überlief
Die Lung’ und Leber ihm.
Er sprang vom Lehnstuhl auf und rief
Und schalt mit Ungestüm:

»Mit dem verwünschten Steckenpferd !
Was doch die Unart tut
Still’ da ! ihr Jungens, still’, und hört!
Denn meine Lehr’ ist gut.«

Kann sein, sprach einer, weiß es nit,
Geht aber uns nicht an.
Da ist ein Pferd, komm, reite mit;
Denn bist du unser Mann.


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