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2015-01-20

Gedichte von P. Flemming: An Anemonen (4)




An Anemonen

Nachdem er von Ihr gereiset war

Ach einig diß war übrig noch
von allen meinen Plagen /
daß ich das schwere Liebes-Joch
muß abgeschieden tragen.
Die mir das groste Leiden thut /
die tröstet meine Sinnen.
Ich brenn / und meines Brandes Glut
ist / ach! wie weit! von hinnen.

Nicht glaub’ ich / daß die letzte Noth
mir großre Quahl kan machen.
An mir lebt nichts nicht / als der Todt;
der starck ist in mir schwachen.
Das krancke Hertze windet sich /
die matten Augen brechen.
Nichts denck’ ich / Liebste / denn an dich.
Doch kan mein Mund nichts sprechen.

Nach dir zu warten ist ümmsonst /
O Aertztinn meiner Seelen.
Ich bin zu weit von dieser Gunst.
Ich muß mich nur so quälen.
Doch freu’ ich mich bey höchster Pein /
und setze diß entgegen /
muß ich gleich der betrübtste seyn /
es ist der werthen wegen.

Ach Anemone / meine Lust /
bleib unverwand im Hertzen.
Ich thu dasselbe / wie du thust /
und fühle gleiche Schmertzen.
Ists wahr / daß alle Froligkeit
wird süßer nach dem Leyden /
So schicke / Schatz / dich in die Zeit.
Wir sehen uns mit Freuden.


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