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2015-01-22

Gedichte von P. Flemming: Grabschrift (14)



Grab-schrifft

Eines jungen Bahren / der gehetzet worden war

Ich / der ich klein’ und jung von meiner Mutter kahm /
Von welcher mich die Macht der strengen Bauren nahm /
Ward in der Stadt verkaufft; daselbsten mich zu üben /
was in der Dienstbarkeit für Freyheit wird getrieben.
Für wilde ward ich zahm. Begriffe manche Kunst;
doch thate mir die Welt darfür gar kleine Gunst.
Ich weiß von keiner Schuld / als daß ich allzukühner
erhascht hab’ / und verzehrt so manche schone Hüner.
Mein ganzes Leben war ein steter langer Tanz.
Zu letzte kriegt’ ich noch darvon den Martrer Kranz.
Sol euch nicht seyn / wie mir / ihr Brüder und ihr Schwestern
So bleibet / wie ihr sollt / in euren wilden Nestern.


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