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2015-01-22

Gedichte von P. Flemming: Neujahrsode (27)



Neue-Jahrs-Ode

O Du zweymahl wüstes Land /
von der Feinde bösen Hand /
Ach du liebes Meissen du /
wie bistu gerichtet zu.

Deine Felder liegen bloß /
deine Flusse werden groß /
groß von Thranen / die man geust /
und als Strome fliessen heist.

Deine Dorffer sind verbrandt /
deine Mauren ümmgerant /
deine Burger sind verzagt /
deine Bauren außgejagt.

Aller Vorraht ist verzehrt /
alle Kammern außgelehrt /
alle Kasten sind besucht /
unsre Schatze hat die Flucht.

Du vor aller Guter reich /
bist itzt einer Wittben gleich /
Wir die Waysen sind erschreckt /
und mit Kummer gantz bedeckt.

Unser Heyland / unser Held /
dem wir alles heimgestellt /
der uns zweymahl frey gemacht /
den reibt auff die wilde Schlacht.

Der erzürnte Himmel dreut /
wegen unsrer Sicherheit /
daß er uns gantz sturtzen will /
weil uns unser Helffer fiel.

Zwar wie zornig Gott auch war /
doch bedacht’ er die Gefahr /
unsre Noth erhielte dieß /
daß er uns noch siegen ließ.

Aber / ach der theuren Lust /
die uns unsern Schatz gekost /
unsern Nützen und Gewinn /
reisset eine Kugel hinn.

Unser Feind ist froh und lacht /
daß er uns hat Schaden bracht.
Zweymahl mehr wachst ihm der Muht
durch deß Edlen Helden Blüht.

Glaublich ists / und fast schon war /
daß er seiner Räuber Schaar /
wie er immer kan und weiß /
über uns wird geben preyß.

Großes Kind Emanuel
wende du diß Ungefall /
komm doch du den Schaden für /
der schon wartet vor der Thür.

ümm ein lachen ists geschehn /
ümm ein liebes freundlich sehn /
daß dein Vater sich bedenckt /
und uns unsre Straffen schenckt.

Lencke du der Feinde Muht /
daß sie uns eins werden gut.
Wo sie dieses wollen nicht /
So nim uns in deine Pflicht.

Zeuch vor unsern Rittern aus /
und beschütz deß Sachsens Hauß /
der für deinen Ruhm und sich /
alles waget williglich.

Kan es seyn / so gib uns Rast /
der du alles kanst und hast.
Frieden-Fürst bist du genant /
bring du uns in Frieden-stand.

Und ihr Feinde gebt es zu /
setzet euch mit uns in Ruh /
daß wir bey der letzten Zeit
stehn in sichrer Einigkeit.

Dencket daß der Friede nehrt /
dencket daß der Krieg verzehrt /
dencket daß man doch nichts kriegt /
ob man schon auch lange siegt.

Stelle deine Schlachten ein /
Mars / und lerne milder seyn /
Thu die Waffen ab und sprich:
hin Schwerdt was beschwerst du mich.

Dieser Helm wird nutze seyn /
daß die Schwalben nisten drein /
daß man / wann der Frühling kommt /
junge Vogel da vernimmt.

Und der prachen Erden Bauch
darff der Spieß und Degen auch /
doch / daß sie sehn anders aus /
Pflug und Spaden werden drauß.

Tritt / was schädlich ist / bey seit /
hin verdamte Pest und Streit /
weg ihr Sorgen / weg Gefahr /
itzund komt ein neues Jahr.


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