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2015-01-22

Gedichte von P. Flemming: Ode I (19)



Ode

Ich bin froh / daß ich was habe /
Daß man dennoch hassen kan.
Und was geht mir daran abe /
Daß mich jener schel sicht an;
Leid’ ich von der Tugend wegen /
So wird mir sein Fluch zu Segen.

Neid ist nur bey hohen Sachen /
Und die nicht gemeine sind /
Hierein setzt er seinen Rachen.
Des Gelücks Gefert’ und Kind /
Steigt und fallt mit seinem Rade /
Wenn es Zorn braucht oder Gnade.

Grosse Dannen / hohe Fichten
Die bestürmt des Nordwinds Zorn /
Der doch nichts dran aus kan richten /
Keine hat kein Haar verlohrn.
Wer der Tugend an wil siegen /
Pfleget allzeit zu erliegen.

Caphareus verlacht die Wellen /
Die sich an ihm lehnen auff.
Scylla lest die Wogen bellen /
Auch nicht so viel giebt sie drauff.
Laß das Unglück auff sie gehen /
Tugend steht / wie Klippen stehen.

Rost verzehrt den stillen Degen.
Stehnde Sümpffe werden faul;
Lufft’ auch / die sich nicht bewegen;
Unberitten dient kein Gaul;
Mussigang verderbt die Jugend.
Ungeübt verschalt die Tugend.

Tugend die ist niemals müssig.
Sucht ihr allzeit einen Feind /
Nie der Arbeit überdrüssig /
Aller Muhe steter Freund
Ihre Sinnen und Gedancken
Sind: Stets lauffen in dem Schrancken.

Die berühmbten Dattelstamme
Heben ihre Last empor /
Und thun zwischen solcher klemme
Reicher ihre Zier hervor.
Ein starck Hertze wird erblicket /
Wenn es sein Verhangnüß drucket.

Aus den außgequetschten Trauben
Kompt Lyens süsser Safft.
Eine Rose hat / bey Glauben /
Ungerieben schwachre Krafft.
Tugend schmeckt und reucht gepresset /
Welche Kost ihr Weisen esset.

Bellet / ihr erzurndten Hunde /
Bellt die stille Pheben an /
Sie bleibt wol / wo sie vor stunde /
Und heit ihre hohe Bahn.
Weißheit ist zu hoch gestiegen /
Da kein Haß ihr nach kan fliegen.

Jene / die ich sie seyn lasse /
Die nicht mehr sind / als nur seyn /
Sind nicht werth / daß ich sie hasse /
Reich an nichts / Klug auff den Schein.
Wahn ists / des ein Weiser lachet /
Der sie so voll Hoffart machet.

Unser Pofel hat die Sitten /
Schilt / was er nicht haben kan.
Tadelt / warumb er muß bitten /
Sieht den Nachbar hart drumb an.
Und an dem er muß verzweiffeln /
Das vergönnt er allen Teuffeln.

Bessern sol michs / nicht betrüben /
Daß mich der zu tadeln pflag.
Wer nicht etwas hat zu lieben /
Hat nicht / was man hassen mag.
Und umb was mich dieser neidet /
Ist / an dem er mangel leidet.

Ich kan einem ja vergönnen /
Daß er seines Maules braucht.
Redet er mir nicht zu sinnen;
Wie bald ist ein Wort verhaucht.
Hute dich nur für den Thaten /
Gott der wird den Lügen rathen.

Steht denn meine Schand’ und Ehre
So in eines Lob’ und Schmach?
Weit gefehlt. Wenn dieses were /
So geb’ auch kein Weiser nach.
In die Zeit sich schicken können /
Können nur geübte Sinnen.

Diß mein redliches Gewissen
Ist mir Zeuge gnug für mich.
Wes ich allzeit mich beflissen /
Wissen zweye: Gott und ich.
Welcher alles wil verfechten /
Der muß heut und allzeit rechten.

Jupiter / wie hoch er sitzet /
Ist nicht von den Lastrern frey /
Wenn er allzeit würd erhitzet /
Wenn man ihn schilt ohne schew /
So wurd er in kurtzen weilen
Werden arm an Blitz und Keilen.

Wil dich einer nicht begrüssen /
So beheltst du deinen Danck.
Setzt er dich schon nicht auff Küssen /
Sey vergnügt mit blosser Banck.
Er und alle / die dich hassen /
Müssen doch dich dich seyn lassen.

Laß sie seyn / die Theons Bruder /
Die Geschwister Zoilus /
Und laß deine guten Lieder
Die der Haß auch lieben muß /
Die die Unehr’ auch muß ehren /
Umb die Fluß und Püscher hören.


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