> Gedichte und Zitate für alle: Goethes Tagebücher: Januar 1832

2015-01-11

Goethes Tagebücher: Januar 1832



Januar 1832



1. 01. Weimar.

Neujahr. Die verschiedenen auszufertigenden Konzepte durchgesehen und überlegt. Gute Ordnung und Kassebestand in den oberaufsichtlichen Geschäften mit Vergnügen bemerkt; des ausgesprochenen Beifalls Serenissimi und des hohen Ministerii mich erfreut, so wie aufs neue die Teilnahme des Hofrat Vogel zu schätzen Ursache gehabt. In der Haushaltung manches Förderliche, worauf mit Ernst zu beharren ist. Die nötigen Visiten durch Billette abgetan. Andere empfangen. Dr. Weller, zu Tische eingeladen. Angenehme Sendung von Varnhagen von Ense. Die mannichfaltigen Obliegenheiten vorgeführt. Die diplomatischen Auszüge fortgelesen. Notiert und schematisiert was nächstens auszuführen ist.

2. 01. Weimar

Haushaltungsangelegenheiten. Rechnungen. Berichtigung vergangener Wochen und Monate. Mit Vulpius deshalb Verabredungen. An John das Nähere übertragen. Gehoffter Brief von Zeltern, der einige Zeit geschwiegen hatte. Nebenstehendes[198] ausgefertigt: An Ihro Kaiserliche Hoheit die Frau Großherzogin, das Bücherverzeichnis vom Dezember. – Um zwölf Uhr Ihro Kaiserliche Hoheit. Bedeutendes Innere und Äußere. Hofrat Stark; gar freundliche Erwähnung meiner Korrespondenz mit Schillern und seines desfallsigen Anteils. Mittags mit der Familie. Ein Sohn ......, gar wohlgezogener und unterrichteter Knabe. Die Kinder waren dieser Tage mit der französischen Komödie beschäftigt. Nach Tische Unterhaltung mit Ottilien über verschiedene Einrichtungen und Übereinkunft. Brief von Zeltern. Diktierte Antwort. Die Kinder zur Probe der französischen Komödie auf's Schloß. Abends mit Ottilien, wegen künftigen Vorlesens.

3. 01. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: An Herrn Professor Zelter in Berlin. An Herrn Börner in Leipzig mit 21 Tlr. 20 Gr. Conv. An Herrn Reichel in Augsburg, mit der Anzeige das von Voigtische Münzkabinett betreffend. – Manches andere weiter gebracht, welches sich zunächst ergeben muß. Sendung von Herrn Soret. Zur Aufnahme der Lehre vom Regenbogen. Fernere Untersuchung der flora subterranea wegen den neusten von Kammerberg eingesendeten tüchtigen Exemplaren. Museum Mazzuchellianum, wegen einer von Friedländer angebotnen Medaille. Mittag Dr. Eckermann und die Familie außer Ottilie. Kupferstiche der französischen Schule angesehen. Abends Hofrat Riemer. Einige Konzepte. Sodann Zelters Korrespondenz 1830. Im Stillen großes Bedenken über Carus' Psychologie von der Nachtseite. Gegenwirkung einer dergleichen von der Tagseite zu schreiben; gleich festgestellt und Nachts bey einigen schlaflosen Stunden durchgeführt. Streiten soll man nicht, aber das Entgegengesetzte faßlich zu machen ist Schuldigkeit.

4. 01. Weimar

Nebenstehendes expediert: Herrn Hofrat Soret, hier. Herrn Geh. Oberfinanzrat Beuth, Berlin. Herrn Dr. Seebeck, dahin. – Anderes vorbereitet. Nach 12 Uhr Herr Staatsminister von Frisch. Bedeutende erfreuliche Unterhaltung. Ich konnte Gelegenheit nehmen, das in der Trauerlage so höchst schätzbare Andenken Augusts dankbar anzuerkennen. Mit Dr. Eckermann, Rothe und den Knäblein gespeist. In den Bänden des Mazzuchellischen Kabinetts gelesen. Ferner in den Gefahren des Meeres, mitgeteilt von Wölfchen. Abends allein. War Wölfchen viel gegenwärtig, aber sehr mutwillig.

5. 01. Weimar


Konzepte und Munda. Vorbereitung anderer Sendungen. Um 12 Uhr Kaiserliche Hoheit. Um halb 2 Uhr ...... Hofmann, welcher mit von Kotzebue die Reise um die Welt gemacht. Mittag mit Herrn Rothe und den Knaben. Nach Tische manches vorbereitet. Abends Fräulein Ulrike und Dr. Eckermann. Ich besuchte Ottilien, wo ich Fräulein Jenny fand. Durchaus war viel von der französischen Repräsentation die Rede, von der man jedoch nichts als Lobenswürdiges zu sagen wußte. Später mit Dr. Eckermann allein.

6. 01. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: An Herrn Geh. Legationsrat von Ense nach Berlin. Herrn David Knoll, Karlsbad. Eine Rolle von Oberberghauptmann von Herder gesendet an Frau Direktor Stichling. – Sendung von Herdern war angekommen. Sendung von dem Deutsch-Amerikanischen Bergwerks-Verein. Die Sendung an David Knoll in Karlsbad abgeschlossen. Mittag Dr. Eckermann und die Familie. Ich bedachte die Agenda von Januar und notierte einundzwanzig verschiedene Besorgungen, Einleitungen und Ausfertigungen. Expedierte das Geschäft mit Hofrat Meyer. Abends Hofrat Riemer, einiges zur Expedition nach Karlsbad. Die schönen Zeichnungsbücher von Genf vorgewiesen.

7. 01. Weimar.

Nebenstehendes expediert: An Frau von Münchhausen nach Herrengosserstedt. Herrn Dr. Weller, Jena. An Färber, daselbst, autorisierte Zettel. Herrn Hofrat Soret, mit einer Medaille. -
Registrator Rudolph, von Herrn Hofrat Otto die Zahlung aus der Frau Großherzogin Kasse ankündigend. Salinendirektor Glenck, seine bisherigen weitverbreiteten Arbeiten, Bohrversuche und praktisches Gelingen ausführlich vortragend. Merkwürdig fiel mir dabei wieder auf: daß tüchtig praktische Menschen von den theoretischen Irrtümern keineswegs gehindert werden vorwärts zu gehen. Dieser wackere Mann spricht von der neumodischen Heberei und Sinkerei als von etwas ganz Bekanntem und merkt nicht, daß er nur von höher oder tiefer liegenden Gebirgsarten spricht. Auch braucht er ein teleologisches Argument mit Behagen, da er doch weiter nichts ausspricht als das, was da ist und was daraus folgt. Dies belehrt uns, in dem menschlichsten Sinne, tolerant gegen Meinungen zu sein, nur zu beobachten, ob etwas geschieht, und das übrige, was bloß Worte sind, guten und vorzüglichen Menschen ruhig nachzusehen. Um 1 Uhr Herr Hofrat Vogel, mit welchem ich verschiedenes Oberaufsichtliche durcharbeitete. Mittag derselbe und Familie. Nach Tische rekapitulierte ich die Agenda von Januar. Bedachte Verschiedenes, besonders auf Naturgegenstände Bezügliches. Abends für mich.

8. 01. Weimar.

Nebenstehendes ausgefertigt: An Herrn David Knoll nach Karlsbad, das Manuskript. Herrn Geh. Hofrat Helbig, Handschriften für den schwedischen Gesandten Brandel in Berlin. Verordnung an Färber, mit 16 Groschen zum Räucherpulver. An Hofrat Voigt desgleichen, die Rosentreppe betreffend. –
Brief von Grafen Sternberg, mit einer Inlage an Herrn von Froriep zu senden. Brief des Grafen Reinhard an Herrn von Müller. Der edle Freund erscheint immer reiner, grandioser und respektabler. Mittag Hofrat Meyer; wurde manches auf die Zeichenschule Bezügliches durchgesprochen, anderes heiter und im Stillen verhandelt. Gegen Abend Geh. Rat von Müller, Oberbaudirektor Coudray. Serenissimus. Später Ottilie. Sie hatte das, was vom zweiten Teil des Faust gedruckt ist, gelesen und gut überdacht. Es wurde nochmals durchgesprochen, und ich las nunmehr im Manuskript weiter. Sie detailierte mir die Vorstellungen der zwölf Monate bei Schwendlers etwas vernünftiger als charadenmäßig. Die Folge war etwas paradox, aber für eine gesellige Unterhaltung sehr gut ausgedacht.

9. 01. Weimar. 

Brief von Zeltern, Ankunft der Doris auf den Dienstag verkündigend. Kam die Theaterchronik zu Wölfchens großer Zufriedenheit. Mehrere Konzepte in mannichfaltigster Angelegenheit. Angenehme Sendung von Hirt. Es ist doch immer das Erfreulichste, wenn man die ältesten Freunde, mit denen man im Zwischenleben wohl divergierte, am Schlusse wieder sich gegeneinander neigen sieht. Man kommt niemals so weit mit ihnen auseinander als mit den Späterzeitigen. Der Aufsatz des Übergangs aus dem Farrenkraut zum Kaktus bildete sich immer besser aus. Das Schreiben des Grafen Sternberg regte mich an. Der empirische Geschäftstag spielte seine Ifflandische Komödie fort. Mittag mit der Familie. Nach Tisch Konzepte revidiert. Sur la Politique rationelle. Par A. de Lamartine. Bruxelles 1831. Äußerst gut- und schwachmütig, wie der feuchte Wind durch Herbstes Blätter säuselt. Abends Ottilie. Ich las ihr den Schluß des ersten Akts von Faust vor. Wir besprachen die zunächst aufzuführenden Charaden.

10. 01. Weimar.

Doris Zelter kam früh 6 Uhr an. Einiges Oberaufsichtliche. Einiges zur Korrespondenz vorbereitet. Brief von Herrn Staatsminister von Humboldt, sehr interessant. Doris brachte einige Sendungen von Berlin mit. Brief von Rauch. Höchst löbliche Medaille von Friedländer gesendet, von Sperandio auf Carbone. Spontini sendet die neue Oper Les Atheniennes, Zelter das Büchelchen von Judas Makkabäus. Mittag Fräulein Zelter, Dr. Eckermann mit der Familie. Beschäftigte mich mit den erhaltenen Sendungen. Las den 2. Akt der Spontinischen Oper, die Briefe und Sonstiges. Abends Ottilie. Vorher Wölfchen.

11. 01. Weimar

Las den 3. Akt der Oper. Nebenstehendes: An Dr. Sulpilz Boisserée, mit den Anfängen zum Regenbogen, München. – Kam eine Sendung von Jena. Ein Heft über die gegenwärtige Lage des Königreich Hannover, merkwürdig genug, weil man in die eigene Komplikation blickt. Sendung eines jungen Dichters Meyr aus München. Unterhaltung mit Fräulein Zelter über den Zustand der Facius. Abschrift der Nachrichten über das neue pompejanische Haus. Mittag Doris Zelter und die Familie. Gegen Abend Geh. Rat von Müller. Später Ottilie.

12. 01. Weimar

Mehrere Konzepte und Munda. Untertänigster Vortrag an Ihro Hoheit die Frau Großherzogin, Demoiselle Facius betreffend. Erhielt Gewährung, als Höchstdieselben um 12 Uhr mit Demoiselle Mazelet bey mir eintraten. Nachher Angelica Facius. Bey Tische Doris Zelter und Familie. Vorher die Angelegenheit der Facius umständlich durchgesprochen und den Zustand völlig aufgeklärt. Später Hofrat Meyer, welcher sich über die Medaille von Ludwig Carbo höchlich erfreute. Anderes durchgesprochen. Später Ihro Königliche Hoheit der Großherzog. Legte ihm die Hefte von Petra von Graf Laborde vor. Nachher Ottilie und Eckermann. Las im zweyten Teil des Fausts weiter.

13. 01. Weimar

Nebenstehendes: An Herrn Geh. Rat von Willemer, Frankfurt. An Herrn Geh. Hofrat Helbig, das approbierte Promemoria von Serenissima. – Konzepte korrigiert zu ferneren Vorträgen. Mittag Doris Zelter und Familie. Blieben nach Tische beysammen und zeigten ihr einige Bildwerke vor. Später Ottilie; lasen weiter im Faust. Sodann Professor Riemer. Lasen einiges in den letzten Bänden der Briefe des Verstorbenen.

14. 01. Weimar

Nebenstehendes expediert: An Prodirektor Bachmann in Jena. Herrn Professor Göttling, dahin. An Hoffmann, wegen Römhild. An Färber, autorisierte Quittungen. An Professor Zelter in Berlin. An Herrn Grafen Reinhard nach Dresden, die fünf letzten Bändchen meiner Werke. – Herr Geh. Hofrat Helbig, wegen der Faciusischen Angelegenheit. Mittag Fräulein Zelter, Hofrat Vogel und Familie. Ottilie zog sich nach Tische bald zurück. Wurden manche Berliner Verhältnisse durchgesprochen. Blieb nachher für mich, das Nächste bedenkend. Abends Ottilie. Schluß zur klassischen Walpurgisnacht.

15. 01. Weimar.

Die gestern überlegten Konzepte. Die jenaischen Tagebücher. Um 1 Uhr Ottilie zur Vorlesung, Anfang des 4. Akts. Mit John einige Haushaltungsgeschäfte. Mittags mit der Familie und Doris Zelter. Nach Tische Hofrat Meyer. Obrist von Lyncker. Geh. Rat von Müller. Später der Großherzog. Sodann Ottilie. Lasen weiter in Faust.

16. 01. Weimar

Mehrere Briefkonzepte. Um 11 Uhr Demoiselle Facius. Um 12 Uhr drey holländische Ärzte. Dann Dr. Schüler aus Jena, Mineralog. Mittags mit der Familie und Doris Zelter. Abends Herr Oberbaudirektor Coudray. Später Ottilie, las im Faust weiter.

17. 01. Weimar.

Einiges im Faust Bemerkte nachgeholfen. John mundierte. Schreiben von Förster durch Herrn von Olfers, welcher mich besuchte. Mittag Familie und Fräulein Zelter. Nach Tische mit Wölfchen Kupfer angesehen und ihn urteilen lassen. Abends Hofrat Riemer. Verschiedene Konzepte durchgesehen.

18. 01. Weimar

Einiges umgeschrieben. Promemoria wegen der Medaille durch die junge Facius aufgesetzt. Mittag ohne Ottilie und Doris, welche bey Frau von Pogwisch speisten. Abends für mich. Später Ottilie und Walther. Wolf kam aus der Euryanthe.

19. 01. Weimar.

Verschiedene Munda. Les deux Mondes, Ankündigung einer neuen Monatsschrift. Viel versprechend wie gewöhnlich. Die bedeutendsten Schriftsteller als Mitarbeiter genannt. Als Musterstück: De l’Allemagne et de la revolution. Par Edgar Quinet. Um 12 Uhr Frau Großherzogin und Demoiselle Mazelet. Zeigte die Schmellerischen Porträte vor. Mittag Doris Zelter. Nachher jenes französische Heft durchgelesen. Der Aufsatz Deutschland und die Revolution ist bedeutend, aber schwer zu enträtseln. Er enthält geistreiche Ansichten, Resultat und Zweck nicht ganz klar. Ottilie, Wölfchen und Alma waren am Hof zu einem Kinderballe. Traten noch einen Augenblick bei mir ein, vergnügt über das Erlebte.

20. 01. Weimar.

Nebenstehendes: Herrn Ritter Spontini nach Berlin. Herrn Geh. Rat von Müller. –
Der Sendung des jungen Meyr von München vor der Absendung noch billige Aufmerksamkeit gegönnt. Angelica Facius, das Porträt Serenissimi vorzeigend. Später Ottilie, Anfang des fünften Aktes gelesen. Mittags mit der Familie, Doris Zelter. Nachher allein. Nachts Wölfchen vorlesend.

21. 01. Weimar

Mehrere Konzepte und Munda. John an der Abschrift der Zelterschen Korrespondenz. Um 1 Uhr Ottilie. Sodann Hofrat Vogel, einiges Oberaufsichtliche. Mittags derselbe, die Familie und Doris Zelter. Nachher wiederholt die Anzeige der Revue des deux Mondes, auch De l Allemagne ect. par Quinet. Abends Wölfchen, dann Ottilie.

22. 01. Weimar

Nebenstehendes: Herrn Freyherrn von Stein zum Altenstein, Königl. Preuß. Staatsminister, in Berlin. – Anderes vorbereitet und eingepackt. Aufsatz wegen der plastischen Anatomie. Oberbaudirektor Coudray, Gespräch über die Géometrie deskriptive. Professor Müller zeigte einige hübsche Porträte vor, Verabredung wegen des Bildes der Gräfin Vaudreuil. Einiges über Bertoldo im Vasari, wegen der Medaille von Mahomet II. Mittags Doris Zelter und die Familie. Nach Tische mit Wölfchen Zeichnungen neuerer Künstler angesehen bis gegen Abend. Kam Hofrat Meyer. Besprach mit demselben die novissima publica. Er las einiges in den Miscellen von Bran. Später Ottilie, von dem neueingelangten Werke über Irland Kenntnis gebend.

23. 01. Weimar

Nebenstehendes: An Herrn Boden nach Göttingen, Manuskript zurück. An Herrn Melchior Meyr in München, desgleichen zurückgesendet. – Weitere Ausführung des Aufsatzes an Herrn Beuth wegen der plastischen Anatomie. Abschriften deshalb. Zu Mittag Doris Zelter, Oberbaudirektor Coudray und die Familie. Sodann die Branischen Miscellen vom Januar. Abends Herr Canzler. Sodann Frau von Münchhausen. Ottilie kam zum Tee. Letztere blieb bey mir. Wir besprachen die Exhibitionen vom Dienstag.

24. 01. Weimar.

Neue Aufregung zu Faust in Rücksicht größerer Ausführung der Hauptmotive, die ich, um fertig zu werden, allzu lakonisch behandelt hatte. Munda durch John. Schwerdgeburth um 12 Uhr, einiges am Porträt zu retouchieren. Die Zeichnung ist sehr lobenswürdig, und ich werde ihm bei der Ausführung allen Vorschub tun. Die alte Zeichnung zum Neusten von Plundersweilern, siehe 13. Band der Werke, in Überlegung gezogen, ob solche nicht, wie Schwerdgeburth hingst gewünscht, durch ihn zu publizieren wäre. Mittags mit der Familie. Nachher Verschiedenes gelesen, überdacht und eingeleitet. Abends war bei Schwendlers großes Divertissement unter Ottiliens Direktion bis nach Mitternacht.

25. 01. Weimar

Wölfchen erzählte bey'm Frühstück von den gestrigen Exhibitionen. John mundierte vieles. Ich las in der Theaterchronik, Wölfchens Deliciae. Herr Präsident von Ziegesar und Tochter. Zeichenmeister Lieber, ein restauriertes Porträt vorweisend. Mittags mit der Familie, Doris Zelter und Fräulein von Pogwisch. Nach Tische allein. Die Töpferischen Zeichnungsbücher genauer betrachtet. Abends Ottilie. – An Alwine Frommann einen Zanderfisch geschickt.

26. 01. Weimar

Mehre Konzepte. Oberaufsichtliche Munda. Hofrat Vogel gab Nachricht von seiner gestrigen Expedition nach Jena. Um 12 Uhr Ihro Kaiserliche Hoheit und Demoiselle Mazelet. Mittags mit der Familie. Hofrat Meyer, welcher nachher blieb, und wurden mit ihm mancherley Angelegenheiten durchgesprochen. Doris war nach Jena gefahren. Um 6 Uhr der Großherzog, Königliche Hoheit, und Geh. Rat Schweitzer. Später Ottilie und Dr. Eckermann, welcher etwas von Carl des Großen Haushalt las.

27. 01. Weimar.

Nebenstehendes: Herrn Professor Dr. Zelter, Berlin. –
Verschiedenes Oberaufsichtliche in die Richte gebracht. Expeditionen vorgearbeitet. Um 1 Uhr Ottilie, Faust vorgelesen. Zu Tisch mit der Familie. Nachher den 2. Band von den Hundert und Einer. Abends Hofrat Riemer. Gingen die Arbeit wegen der plastischen Anatomie durch.

28. 01. Weimar

Oberaufsichtliches in Ordnung gebracht. Mundum des gedachten Aufsatzes. Nebenstehendes: Die Zeichenbüchlein für Herrn Töpfer nach Genf an Herrn Hofrat Soret zurück. – Um 1 Uhr Hofrat Vogel, einiges Oberaufsichtliche. Mittag mit der Familie und Hofrat Vogel. 2. Heft der Hundert und Einer. Abends Ottilie und die Kinder. Sie las Romulus im Plutarch.

29. 01. Weimar

Fortgesetztes Mundum für Berlin. Das französische Heft ausgelesen. Das Ganze überdacht, um es zu rangieren. Demoiselle Facius mit dem Bilde des Großherzogs. Demoiselle Seidler und ihre Freundin schickten ein paar Bilder. Mittag beyde genannte Künstlerinnen. Doris Zelter war von Jena zurückgekommen. Nach Tische wurden verschiedene Zeichnungen betrachtet. Gegen Abend Herr Geh. Rat von Müller und Obrist von Lyncker. Nachher Ihro Königliche Hoheit der Großherzog. Abends Ottilie. Faust ausgelesen. – Herrn Geh. Hofrat Helbig, Billet. Herrn Professor Renner, Verordnung wegen dem Schmiedegesellen, nach Jena.

30. 01. Weimar

Haushaltungsrechnungen durchgesehen. Angelika Facius des Großherzogs Profil vorweisend. Geh. Hofrat Helbig über dieselbe Angelegenheit sprechend. Brief von Zelter. Mittag Doris Zelter und Familie. Geh. Rat von Müller, Hofrat Meyer, Oberbaudirektor Coudray. Letzterer erzählte die Feyerlichkeit zum Geburtstage der Madame Genast.

31. 01. Weimar

Einiges in Bezug auf Zelters letzten Brief. John schrieb an der Zelterischen Korrespondenz. Geh. Hofrat Helbig, wegen der Faciusischen Angelegenheit. Maler Preller, wegen einer Zeichnung nach Dominichino. Mittag Doris und die Familie. Beyde Frauenzimmer befanden sich nicht sehr wohl. Nach Tische besah ich Neureutherische Arbeiten und überzeugte mich auf's neue von dem schönen Talente des Mannes. Abends Professor Riemer. Wir gingen einige Aufsätze durch und besprachen anderes Interessante. Blieb nachher für mich und überlegte die 101 und ihren großen Sittenwert. Gar hübscher Brief von Herrn Soret, über einen epistolischen Calcül.


Gesamtübersicht Tagebücher

weiter

Goethe auf meiner Seite








Keine Kommentare: