> Gedichte und Zitate für alle: Goethes Tagebücher: Mai 1830

2015-01-05

Goethes Tagebücher: Mai 1830




Mai 1830


1. 05. Weimar


Porträt der Frau von Humboldt durch Wach. Ledebour, russische Flora, der Bibliothek verehrt durch die Frau Großherzogin, ein merkwürdiges, meist neue Spezies darstellendes Werk. Oberaufsichtsgeschäfte beseitigt. Um 12 Uhr Frau von Wolzogen. Um halb 1 Uhr spazieren gefahren; vorher die neuen Einrichtungen in der untern Etage des Jägerhauses besehen. Mittag Hofrat Vogel. Nachher in den untern Garten.

2. 05. Weimar.

Oberaufsichtliche Geschäfte abgeschlossen, wie nebensteht expediert: Herrn Professor Göttling, mit den Tagebüchern, Jena. Herrn Hofrat Voigt, Jena. Rentamtmann Steiner, Verordnung in duplo. Rentamtmann Lange, Verordnung. An Großherzogliche Oberbaubehörde hier, Communicat. –
Demoiselle Seidler und zwei Reisende von Kronach. Geh. Sekretär Müller. Herr Staatsminister von Fritsch, Hofrat Soret und Prinz Karl, der junge Narischkin. Ein Elsässer zeigte das Modell einer Dampfmaschine vor; ein sehr kompliziertes und schwer zu begreifendes Maschinenwerk. Mittags Ottilie. War ein Brief von meinem Sohn von Karlsruhe angekommen. In den untern Garten gefahren.

3. 05. Weimar.

Kam eine Sendung von Herrn Regierungsrat Meyer in Minden an. Röhrs kritische Prediger-Bibliothek, 11 . Band 1. Heft, meinen Aufsatz über Krummachers Predigten enthaltend. Einiges Pompejanische. Ein morphologisches Heft von Dr. Schmidt, praktischer Arzt in Paderborn. Zu Tische Ottilie und Herr Soret. Sie waren glücklich über neue musikalische Einleitungen. Von Varnhagens Graf Zinzendorf, mit Neigung, gründlich, mit Mäßigung vorgetragen. Zu bedeutendem Nachdenken auffordernd. Mir besonders willkommen, da es mir die Träume und Legenden meiner Jugend wieder vorführt und auffrischt. Ihro königliche Hoheit der Großherzog, wegen einiger Anstalten in Cromsdorf sprechend und Sonstiges verhandelnd.

4. 05. Weimar


Varnhagens Zinzendorf fortgefahren. Kam eine Sendung von der Oberbaubehörde, Kirchners Angelegenheit betreffend. Einiges zu Pompeji. Das Leben Zinzendorfs hinausgelesen. Betrachtungen darüber aus dem höheren sittlichen und weltlichen Standpunkte. Ich speiste unten. Nach Tische botanische Betrachtungen in Bezug auf die Spiraltendenz. Abends Professor Riemer; gingen den Aufsatz über Pompeji durch. Rescript wegen des Lokals der Gewerkschule. – Kaiserlicher Hoheit Frau Großherzogin, Verzeichnis eingegangener Bücher vom April. Geh.  Rat von Müller, das Schreiben des Herrn von Gagern zurück. Professor Riemer den eingeschlossenen Brief vom Regierungsrat Meyer.

5. 05. Weimar

Vorbereitungen den Tag im unteren Garten zuzubringen. Einiges beseitigt. Dr. Meyers und Sohn Ansuchen überlegt. Zeitig in den Garten. Die Collectanea über die Spiraltendenz der Pflanzen separiert und einigermaßen geordnet. Das neue Gartenplätzchen ward eingeleitet. Compter von Jena sprach zu und fragte nach. Die Frau Badeinspektor Schütz. Sodann Herr Soret und der Prinz. Speiste für mich. Verfolgte die heute früh angestellten Betrachtungen. Ließ in der kleinen Anlage fortfahren. Kehrte spät nach Hause zurück und ging zeitig zu Bette. – Der Frau Großherzogin die monatliche Bücheranzeige. Herrn Geh. Rat von Müller, Brief von Gagern zurück. Herrn Hofrat Voigt das Briefchen von Dr. Meyer.


6. 05. Weimar

Oberaufsichtliche Geschäfte. Vorliegende Geschäfte durchgedacht, auch beseitigt. Einiges Poetische für Wendt ausgesucht; an Professor Riemer zu geben. Kirchnern eine Vergleichung der pompejanischen Area mit einem Teil von Wien aufgetragen. Anderes beseitigt. Frau Großherzogin hatte ihren heutigen Besuch ausgesetzt, wegen eines Frühstücks in Berka. Mittag für mich. Blieb in den oberen Regionen und hielt mich hauptsächlich an botanische Betrachtungen. Das Wachstum von Knoten zu Knoten. Sendung von Professor Weiß. Oberbaudirektor Coudray. Zeigte ihm verschiedenes Neuangekommene vor. Von Holtei's schlesische Gedichte. Herr Advokat Haumann, empfohlen von Herrn Quetelet aus Brüssel. – Communicat an Großherzogliche Oberbaubehörde in duplo.

7. 05. Weimar.

Brief von Zeltern von 1808, in die Korrespondenz eine Abschrift eingefügt. Kleine Gedichte für Wendt, heute Abend an Professor Riemer zu geben. Fortgesetzte botanische Betrachtungen. Im Garten und Gartensälchen verweilend. Kolster hatte das Münzschränkchen gebracht; dessen Platz und Stellung mußte eingerichtet werden. Auch die Meduse ward aufgehängt. Speiste für mich. Herr Kanzler von Müller. Das Gespräch kam auf die Streitigkeiten Cuviers mit St. Hilaire und überhaupt auf den Unterschied der stationären und progressiven Naturbetrachtung. Herr Professor Riemer. Den Abschluß des Aufsatzes für Wien durchgegangen. Demselben einiges für den Leipziger Musenalmanach mitgeteilt.

8. 05. Weimar


Dem Ritter Lawrence sein französisches Manuskript zurückgeschickt. John fing an den Aufsatz über Pompeji abzuschreiben. Ich beschäftigte mich mit Fortsetzungen und Vorbereitungen. Kirchner brachte die vergleichende Messung von Pompeji mit einem Wiener Lokal. Um 12 Uhr die Frau Großherzogin. Zu Mittag Hofrat Vogel. Mit demselben von einem wunderlichen Jenaischen Duellfall und der Behandlung des Verwundeten gesprochen. Wegen Beobachtung des Barometers in Bezug auf Krankheits-Exacerbationen und sonst einige Abrede genommen. Der Pole Kozmian. Unterhaltung von französischer neuster Literatur. Der Brüsseler Advokat Haumann, zur Benthamischen Lehre geneigt. Zinzendorfs Biographie wieder durchdacht. Schema des morgen Bevorstehenden. John fuhr fort, den Aufsatz für Wien abzuschreiben. Ich übersah die Berechnungen Kirchners nochmals.

9. Mai. Weimar.


Abschrift jenes Aufsatzes abgeschlossen. Dieselbe an Hofrat Meyer gesendet. Ein Brief von meinem Sohn aus Basel kam an. Verschiedene Briefkonzepte vorgearbeitet. Die Singstunde war diesmal bei Ottilien. Die bisherigen Blätter vom Globe und Temps waren bis Ende April rangiert und zum Einheften vorbereitet. Einiges Botanische fortbewegt. Seltsamer Kontrast eines niedern Barometerstandes, bedeckten Himmels und Ostwinds, zur Verzweiflung dessen, der die Kegel befolgt sehen möchte. Mittags Ottilie. Einige Porteleuilles durchgesehen. Gegen Abend Herr Kanzler. Herr Des Voeux von der englischen Gesandtschaft aus London war angekommen. Herrn Hofrat Meyer, pompejanischer Aufsatz.

10. 05. Weimar


Einiges zu dem pompejanischen Aufsatze. Herr Geh. Hofrat von Otto, im Namen der Frau Großfürstin, Konzept eines Schreibens verlangt. Ausfertigung desselben. Herr Deveux, nach Konstantinopel reisend. Herr Hofrat Meyer speiste mit mir. Ich besprach mit ihm jenen pompejanischen Aufsatz, ingleichen eine Geschichte der Kupferstecherkunst. Nachher sah ich vor mich das Portefeuille der Kupfer des 16. Jahrhunderts. – Herrn Kammerherrn von Goethe nach Mayland. Herrn Oberbaudirektor Coudray, Einladung auf morgen.


11. 05. Weimar


Nebenstehendes abgeschlossen und ausgefertigt: Herrn Kollegienrath von Otto, mit einem Konzept für Ihro Kaiserliche Hoheit die Frau Großherzogin. – Nachtrag zu dem Pompejanischen. Sonstiges beseitigt. Fuhr in den untern Garten. Verweilte daselbst bis gegen 2 Uhr. Mittag für mich. Später kam Wölfchen, der mit der Mutter und Herrn Deveux in Berka gewesen war. Herr Kanzler von Müller. Sodann Professor Riemer; da wir denn, was an der Zahnischen Rezension noch zu erinnern war, noch beseitigten. Besprachen die an Herrn Wendt zu sendenden kleinen Gedichte.

12. 05. Weimar

Nebenstehendes: Wegebauinspektor Goetze, wegen der Saalkiesel. Geh. Rat von Müller, wegen der Wichmannischen Angelegenheit. Varnhagen von Ense, seinen Zinzendorf betreffend. Herrn Professor Riemer, das vollkommen ajustierte Manuskript wegen Zahn. – Dr. Stickel, Orientalist, von Paris kommend, Schüler von Sylvestre de Sacy. Manches Angenehme und Unterrichtende von dort bringend. Herr Geh. Hofrat Helbig, die Angelegenheiten Prellers, welcher mit Gräfin Egloffstein nach Neapel zu gehen wünscht. Ferner die rotblühende Vicia Faba versprechend. Brief von meinem Sohn aus Lausanne. Das Tagebuch vom 1. May bis 4. ej., von Basel bis Lausanne enthaltend. Mittags Herr Oberbaudirektor Coudray, Hofrat Soret, und Ottilie. Nach Tische allein. Ordnung der Kupferstiche und Zeichnungen befördernd.

13. 05. Weimar

Briefe konzipiert. Kräuter trug die neueingegangenen Werke in den Katalog. Kammerkonsulent Schnauß, das Umständlichere von dem Tod des jungen Mylius zu Triest erzählend. Um 12 Uhr Frau Großherzogin. Mittags mit Ottilien. Allerley gesellige Verhältnisse auf Bezüge mit Fremden besprochen. Demoiselle Seidler, wegen Eröffnung des Ateliers. Später Ihro Hoheit der Großherzog. Fortgesetzte Betrachtung von Kupferstichen, besonders: Desnoyers.

14. 05. Weimar

Nebenstehendes: Herrn Heinrich Mylius nach  Mayland, Einschluß: Herrn Kammerherrn von Goethe. – Anderes eingeleitet und beseitigt. Gegen Mittag mit Oberbaudirektor Coudray nach dem untern Garten gefahren. Daselbst wegen der Mosaik am Eingang verhandelt. Er speiste daselbst mit mir. Wir besprachen manches die vorseyenden Geschäfte betreffend. Fuhren zurück um 5 Uhr. NB. Hatten vorher die Blumenausstellung im Schießhaus gesehen. Abends Professor Riemer. Die Rezension von Zahns Heften abgeschlossen.

15. 05. Weimar

Eingetragen, vorgeschoben und manches bedacht. An Oberbaudirektor Coudray die Doubletten der französischen Profile, auch den porphyrnen Diskus. Heinrich Müller zeigte einige Porträte vor, seinen Abgang nach Eisenach anmeldend. John fing an einige Zeichnungen zu stempeln. Mittag Frau Gräfin, Frau von Pogwisch, Fräulein Ulrike und Hofrat Vogel. Wurden die französischen Medaillons nach Tische vorgezeigt. Vor Tische war ich ausgefahren auf Oberweimar und ging von da die Straße her nach meinem Garten zu. Herr Kanzler von Müller, Descrizione del Cimitero di Bologna, ingleichen Descrizione delle Pitture del Campo Santo di Pisa mitteilend. Sodann kam die Berliner Berichtigung im Namen des Herrn Niethammers zur Sprache, worüber viel hin und wieder gesprochen  wurde in Gegenwart Hofrat Meyers, welcher dazu kam. Später für mich. Obige italiänische Büchlein durchsehend.

16. 05. Weimar

Nebenstehendes: An Herrn Buchhändler Wilmans, Vorrede zu Schillers Leben von Carlyle, Frankfurt a. M. An Herrn von Deinhardstein, Anzeige von Zahns pompejanischen Heften, nach Wien. Herrn von Deinhardstein, Brief dahin. Herrn Geh. Legationsrat Varnhagen von Ense, mit Einlage von der Frau Großherzogin, Berlin. – Einiges in oberaufsichtlichen Geschäften beseitigt. Mit Rinaldo Vulpius die vorliegenden Häuslichkeiten besprochen. John fuhr fort Zeichnungen und Kupferstiche zu stempeln. Mittag mit Ottilien. Nachher die botanischen Angelegenheiten vorgenommen. Besuch von Herrn von Quandt. James Tod, Annals of Rajast'han.

17. 05. Weimar

Damit fortgefahren. Nebenstehendes expediert: Communicat an das Hofmarschallamt. Desgleichen an die Oberbaubehörde. Billet an Helbig, wegen Kaisers Personalien. – John fuhr fort zu stempeln. Hirts Kunstbemerkungen über Dresden und Prag. Rousseau's botanische Fragmente. Hernani zu lesen angefangen. Ein Wiener Handelsmann Namens Neustädter. Zu Mittag Herr von Quandt, von Müller, Meyer, Coudray, Vogel und Riemer. Blieben bis gegen Abend. Riemer zuletzt. Einiges in den Kupferstichen eingeordnet.

18. 05. Weimar

Rousseau's botanische Briefe. Nebenstehendes: An Hoffmann, Verordnung wegen der Rentamtmannswittwe Müller. – Die Kiste mit Kaisers Bild war gepackt. Ich fuhr in untern Garten, speiste daselbst. Las den kleinen Nachtrag zur Schilderung von Paris. Bedachte mir anderes. Um 5 Uhr in die Stadt. Professor Riemer. Wir gingen No. 1 des Nachtrags zur Metamorphose durch. Berieten einiges.

19. 05. Weimar

Rousseau's botanische Bemühungen. John mundierte. Einiges mit Schuchardt. Buchbinder Bauer brachte einiges Gearbeitete. Herr von Reutern nach Livland gehend. Wir besprachen seine farbigen Zeichnungen. Speiste mit Ottilien. Nach Tische kam Herr Soret, mit welchem ich den Anfang seiner Übersetzung der Metamorphose durchging. Hofrat Meyer. Notierte seine Beurteilungen indessen über die neusten Kupferstiche.

20. 05. Weimar

Fortsetzung der ersten Nummer des Anhangs. Entwurfschreiben an Herrn Kanzler für München. Ihro Königliche Hoheit die Frau Großherzogin. Zeigte derselben die von Reuterischen Zeichnungen vor. Kamen drey Kisten an, von Boisserée, Quandt und Beuth. Mittag mit Ottilien. Nach Tische die Kisten eröffnet. Den Telephus leider beschädigt gefunden. Herr Kanzler von Müller. Über das Dresdner Heft. Herrn von Quandts Gegenwart. Gräfin Julie Aufenthalt in Rom. Münchner Anforderung wegen der Berliner Berichtigung.

21. 05. Weimar

Nebenstehendes: Ihro Kaiserlichen Hoheit das letzte Journal Kirchners. An Herrn Hofrat Soret sieben Exemplare des Dresdner Heftes. An Herrn Kanzler von Müller, Vorschlag zu einer Antwort nach München. – Demoiselle Seidler brachte ihr großes Bild für die Dresdner Ausstellung bestimmt. Schuchardt fuhr fort Ordnung in den Zeichnungen zu machen. Die rotblühende Vicia Faba war angekommen und wurde gleich der Erde vertraut. Mitgesendete schon fast einen Fuß lange Pflanzen zeigten bestrittene Behauptung ganz deutlich und wurden wieder in die Erde gesetzt. Mittag Felix Mendelssohn und Fräulein Ulrike. Spielte derselbe nachher auf dem Flügel, die Musik wurde bey der Teegesellschaft fortgeführt.

22. 05. Weimar

Einiges Oberaufsichtliche. Schulrat ...... von Königsberg. Nähere Betrachtungen über Rousseau's botanische Studien fortgesetzt. Um 12 Uhr kurze Spazierfahrt. Um 1 Uhr Großherzog Königliche Hoheit. Sodann Herr von Reutern; mit demselben über sein schönes Talent gesprochen. Reichtum und schickliche Bedeutsamkeit der Vordergründe empfohlen. Mittags die Herren Vogel, Gille, Felix und Fräulein Ulrike. Nach Tische Hofrat Meyer. Die von Reuterischen Zeichnungen vorgewiesen und besprochen. Später Geh. Rat von Müller.

23. 05. Weimar

Rousseau's Botanik. Nebenstehendes: Billet an Schmeller, wegen Felix Mendelssohn. Desgleichen an Herrn Professor Riemer, wegen Rousseau's Botanik. – Ordnung unter den Kupferstichen weiter fortgesetzt. Mittags Fräulein Ulrike, Felix Mendelssohn und die Kinder. Herr von Conta, einiges Freundliche von Kassel bringend. Abends im Garten.

24. 05. Weimar

Nebenstehendes: Herrn Hofrat Hirt in Berlin. Herrn Hofrat Quetelet, Brüssel. – Fortgesetzte Botanica. Herr Geh. Hofrat Helbig Abschied nehmend und wegen Prellers Aufenthalt in Italien einiges besprechend. Ich hatte gebadet. Felix Mendelssohn gab einige musikalische historische Exhibitionen auf dem Piano. Mittags Felix Mendelssohn. Nach Tische allein. Abends Gesellschaft, wobey Felix auf dem Piano spielte.

25. 05. Weimar

An Schuchardt diktiert. John reparierte die von Berlin angekommenen Gipsbilder. Herr Geh. Hofrat Helbig. Dann einiges dictirt. Ein Brief von meinem Sohn aus Mayland kam an. Ingleichen mehrere Sendungen, aus England  und sonst her. Auch ein Brief von Schlosser mit Ansichten der Heidelberger Gegend. Um 12 Uhr Frau von Wolzogen. Mittags Felix und die Familie. Mit demselben einige Gespräche über Musik und bildende Kunst. Er hatte mir früh Symphonien von Haydn und Mozart vorgespielt, auch über die neusten Pianospieler gute Nachricht gegeben. Abends Theegesellschaft. Felix ließ sich auf dem Piano hören.

26. 05. Weimar

Einige Konzepte diktiert. John schrieb No. I. des botanischen Anhangs zu Ende. Herr von Reutern Abschied nehmend. Schreiben von Herrn und Frau von Cotta. Felix Mendelssohn und die Familie zu Tische, wozu Herr Hofrat Soret kam. Felix produzierte eine Ouvertüre von Weber und eine kleine heitre Komposition. Abends großer Tee, Musik, große Symphonie von Beethoven. – Herrn Professor Göttling zwey Werke gesendet.

27. 05. Weimar

Nebenstehendes: Herrn von Quandt nach Dresden. An Mademoiselle Seidler, mit fünf Exemplaren der Dresdner Kupferwerke. – Verschiedene Konzepte. Sendung von Herrn von Varnhagen. Ordnung gemacht. Halb 1 Uhr Frau Großherzogin. Ich besorgte noch einiges in den letzten Zimmern. Mittags Felix Mendelssohn und die Familie. Auch Fräulein Jenny. Nach Tische besahen wir das eine Portefeuille der Porträte. Abends Herr Oberbaudirektor Coudray und Geh. Rat von Müller. Felix spielte einiges. Wir hatten vorher das Portefeuille Poussin und Claude angesehen, woran erstgenannter besondere Zufriedenheit bewies.

28. 05. Weimar

Nebenstehendes: Herrn Dr. Schlosser nach Frankfurt am Mayn. – Denkwürdigkeiten Benjamin Erhards von Varnhagen von Ense. Wunderlicher Blick in die achtziger und neunziger Jahre. Einiges Botanische. Hofrat Vogel über verschiedene Fälle der polizeilichen Medizin. Mittag Felix Mendelssohn und die Familie, außer Walthern, der in Berka war. Blieb für mich in botanischen Betrachtungen. Abends Professor Riemer. Wir gingen die hierauf bezüglichen Konfessionen durch. Von 7 Uhr an spielte Felix manche interessante Sachen, welche ihre Meister bezeichneten. Ich las das französische Werklein La Confession mit Bedacht und ward an Diderot und seine Verdienste erinnert. 

29. 05. Weimar

Schuchardt katalogierte die Poussins und Glaubers. Diktierte Konzepte verschiedensten Inhalts. Fertigte Nebenstehendes aus: An Herrn Hofrat Meyer nach Belvedere, mit einem Exemplar von Erhards Hinterlassenschaft. An Kammerkontroleur Hoffmann, die Erinnerungen gegen die Hauptkasserechnung. – Einiges vorbereitet. Schuchardt hatte auch die aufgezogenen Holzschnitte eingeliefert. Mittag der Engländer Herr ...... Felix, interessante Unterhaltung. Gegen Abend Herr Geh. Rat von Müller, einen Franzosen Namens ...... auf morgen ankündigend. Abends für mich.

30. 05. Weimar

Einige Konzepte. Erhards Verlassenschaft. Herr Kanzler von Müller mit dem Angemeldeten. Herr Geh. Rat Beuth. Unterhaltung mit demselben über manches Technische, besonders die Erzgießerei. Speiste derselbe mit uns. Ging einige Stunden spazieren und kehrte dann zurück. Herr Oberbaudirektor Coudray kam dazu. Die große neuanzulegende Chaussée ward durchgesprochen; Obrist von Pfeil, merkwürdiger Mann, erwähnt, dessen Talent die Menschen zu solchen Arbeiten zu versammeln und zu beherrschen ruhmvoll detailliert wurde. Blieb zum Abendessen und nahm Abschied.

31. 05. Weimar

De l'histoire de la Poésie par Ampère, treffliche Arbeit. Er hatte diesen Diskurs in Marseille vorgelesen zu Eröffnung des Cursus über die Geschichte der Poesie überhaupt. Nebenstehendes: Herrn Dr. S. Boisseree nach München. – Konzept Berichts wegen Preller. Dr. Stickel, das Bildnis von Sylvestre de Sacy verehrend. Herr Professor Göttling. Derselbe speiste Mittags mit. Ingleichen Felix. Nach Tische Herr Frommann der Ältere. Herr Soret. Beyde gingen bald. Felix trug bedeutende Stücke, ältere, neuere,  auch von ihm selbst komponierte, vor. Madame Frommann und Alwine. Ottilie und Felix gingen später in die Oper. Oben benannten Gästen und Freunden hatte ich die französischen Medaillons vorgelegt. Erinnerung an einen biographischen Katalog. Abends Herr Soret. Ich ging mit ihm die Notata durch zu seiner Übersetzung.


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