> Gedichte und Zitate für alle: Goethes Tagebücher: Oktober 1831

2015-01-11

Goethes Tagebücher: Oktober 1831



Oktober 1831



1. 10. Weimar. 

Nebenstehendes ausgefertigt: An Herrn Oberpfarrer und Consistorialrat Kirchner, das Gedicht an die 18 Freunde, auch ein Billet an Fräulein Kirchner. – Verabredung mit Kräuter mundiert und geheftet. Korrespondenz zu verbrennen angefangen. »Frühere Fehler hindern spätere nicht.« Umsicht mancher Art. Spazieren gefahren. Hofrat Vogel. Früheres, wieder aufgenommenes Gespräch von Wichtigkeit, das mich an den Streit der Nominalisten und Realisten erinnerte. Dergleichen wirds immer geben, so wie Guelfen und Ghibellinen. Wer hievon deutlichen Begriff hat und seine Einsicht praktisch zu benutzen weiß, der steht im Vorteil; alles übrige ist vom Übel. Mit Hofrat Meyer Auswahl einiger Kupferblätter fürs Museum. NB. Ein sehr geschicktes Frauenzimmerchen, Pianoforte spielend, von ihrem Vater angeführt, hatte sich bei mir hören lassen. Es waren neuere Pariser Kompositionen, große Fertigkeit des Vortrags verlangend, aber immer heiter, so daß man gerne folgte. In den Gedichten Gustav Pfizers. Einiges zur Anordnung und Fortsetzung des Bevorstehenden. 

2. 10. Weimar. 

Die Rechnungen des vergangenen Monats durchgesehen, in die Tabellen eingetragen, anderes tabellarisch Notwendige besorgt. Einiges angeordnet. Brief an Zelter diktiert. Das Interesse an den neuakquirierten Kupferstichen in Verbindung mit den älteren mußte immer wachsen, da man Longhis Werk mehr studierte. Es gilt hier wie durchaus in aller lebendigen Kunst und der dazu erforderlichen Technik, daß es unendlich wird, sobald man sich ernstlich darauf einläßt. Mittag mit Dr. Eckermann. Nachher Oberbaudirektor Coudray. Abends Ottilie. Angekommen waren zwei Bände Fragments de Geologie par Alexandre de Humboldt, und ich fing an darin zu lesen. 

3. 10. Weimar

Oberaufsichtliches mundiert. Die Registrande eingetragen. Um 12 Uhr Ihro Königliche Hoheit der Großherzog. Um 1 Uhr Graf Caraman und Vaudreuil. Mittags Dr. Eckermann. Nachmittags allein, von Humboldts Fragments. Abends Ottilie. Biographien des Plutarchs, griechische Serie.

4. 10. Weimar

Briefe konzipiert und mundiert. Nebenstehendes expediert: Herrn Professor Zelter, Berlin. Herrn Professor Riemer nach Eckartsberga.  – Um halb 1 Uhr in die Ausstellung des Gartenvereins, wo sehr schöne und merkwürdige Früchte zu sehen waren. Mittag Herr Geh. Rat von Müller. Nachher für mich. 15. Septembre 1831 par F. Alph. de Syon. Abends Ottilie, den Alcibiades des Plutarchs vorlesend.

5. 10. Weimar

Nebenstehendes: Communicat an das Oberkonsistorium hier, mit Zeichnungen. Herrn Hofrat Voigt, mit Anschlägen zur neuen Röhrenfahrt. Herrn von Otto, Separatkasse-Rechnung. Herrn Professor Zelter, Berlin. – Jenes französische Heft durchgelesen. Die neuacquirirten Kupfer an Schuchardt. Friedrich meldete sich krank, und war daher manches Hindernis im Hauswesen. Ich übernahm das Geld von Vulpius und brachte die angeschafften Kupfer für das Museum und mich in Ordnung. Mittag Dr. Eckermann. Nach Tische Hofrat Meyer. Das Heft von Syon weiter betrachtet und gewürdigt. Abends Oberbaudirektor Coudray, mit Anträgen von der Klavierspielerin. Später Ottilie. Verhältnisse zu dem französischen Abgesandten und seiner Gemahlin.

6. 10. Weimar

Wackerer Brief von Zelter. Nebenstehendes: Herrn Professor Dr. Renner, Jena, Verordnung. Desgleichen an Rentamtmann Steinert, daselbst. – Geldpackete wurden gemacht, in verschiedenen Posten abgetan. Ein junger Mediziner aus Hamburg, in Halle studierend, Namens Nölting, ein kleiner, hübsch zusammengefaßter junger Mann. Fortgesetztes Studium des französischen Heftes. Der Verfasser ist freylich auch ein Redner, dem man aufpassen muß, aber trefflich überschauend und alle Zuständlichkeiten bis in die letzten Winkel verfolgend. Mittags Wölfchen. Nachher das Nächste in Betracht gezogen. Manches gesondert und geordnet. Abends Ottilie. Alcibiades bis zu Ende gelesen. Soziale Verhältnisse besprochen. Herr Hofrat Soret ließ die 146 Tlr. 11 Gr. für die Medaille gegen Quittung holen.

7. 10. Weimar

Nebenstehendes: An Herrn Geh. Rat von Müller, verschiedenes, besonders auch auf Klinger Bezügliches. Herrn Hofrat Meyer, Kupferstichkatalog von Leipzig. – Die Briefschaften des grünen Portefeuilles besichtet und einen Teil verbrannt. Die Störung durch Friedrichs Krankheit war ziemlich in's Gleiche gebracht. Mit Wölfchen spazieren gefahren. Mittags Dr. Eckermann. Hernach allein. Die Leipziger Sendung nochmals näher betrachtet. Gelesen. Abends Ottilie.

8. 10. Weimar

Briefkonzepte. Einiges Oberaufsichtliche. Buchbinder Bauer brachte das aufgezogene Kupfer Kaiserin Elisabeth. War geglückt. Geh. Hofrat Helbig. Um 12 Uhr der Großherzog Königliche Hoheit. Zu Tische Hofrat Vogel. Später Quittungen für den Dresdner Verein. Studium der Rembrandtischen Blätter nach dem Band des Museums. Hofrat Meyer. Beunruhigung wegen der Krankheit unserer Frau Großherzogin, Wölfchen. Tee bey Ottilien, deshalb dieselbe erst später kam.

9. 10. Weimar

Fortgesetztes Studium Rembrandtischer Blätter. Diktiert über den barmherzigen Samariter. Ein ungarischer junger Geistlicher Hrabowski, ein Verständiger hübscher Mann. Um 12 Uhr Konzert. Clara Wieck, ihr Vater und ein Violinspieler, ließen sich hören, einzeln und zusammen. Gegenwärtig waren die nächsten der Familie, dabey Frau Geh. Rat und Herr General von Wolzogen. Mittags mit Wölfchen, welcher sehr mäßig und gätlich war. Gegen Abend Herr Geh. Rat von Müller, Unerfreuliches mitteilend.

10. 10. Weimar

Einiges weggearbeitet. Um 11 Uhr zum Manöver hinausgefahren mit der Familie und Vogel. Mittags mit Dr. Eckermann. Nachher La Peau de Chagrin zu lesen angefangen. Abends Ottilie. Aus der Geschichte des Fitz Gerald erzählt.

11. 10. Weimar. 

Geldpakete, Briefe und sonstige Sendungen für morgen vorbereitet. Obige französische Lektüre fortgesetzt. Herr Frommann d. A., die Einrichtung seines neuen Hauses mir erzählend. Mittag Wölfchen. Ich las La Peau de Chagrin weiter und beschäftigte mich damit die übrige Zeit, wie ich denn in der Nacht auch mit dem 2. Teil fertig wurde. Es ist ein vortreffliches Werk neuster Art, welches sich jedoch dadurch auszeichnet, daß es sich zwischen dem Unmöglichen und Unerträglichen mit Energie und Geschmack hin und her bewegt und das Wunderbare als Mittel, die merkwürdigsten Gesinnungen und Vorkommenheiten sehr konsequent zu brauchen weiß, worüber sich im Einzelnen viel Gutes würde sagen lassen. 

12. 10. Weimar. 

Nebenstehendes expediert: An Börner in Leipzig 50 Tlr. Sächs., mit Brief und den übrigen Kupfern. An Herrn Hofrat Winkler 80 Tlr. für den Dresdner Verein, dabey ein Brief. An Herrn Hofrat von Quandt nach Dresden. Ferner an Börner ein Päckchen mit Verzeichniß und Rechnungen. – Den 4. Band meiner Biographie wieder angegriffen. Die gestrige Betrachtung über das bezauberte Fell rief mir Victor Hugos Notre-Dame de Paris wieder ins Gedächtnis. Wenn ich jene Terminologie beibehalten will, so muß ich sagen, er hat das Unmögliche und das Unerträgliche dargestellt und, anstatt es durch ein Wunder zu verknüpfen, durch eine seltsame Realität, die uns nur Augenblicke besticht, zu vereinigen gesucht. Seine Darstellung eines unmöglichen Details, das noch dazu widerwärtig ist, stößt uns ab. Ich habe den zweiten Teil nicht auslesen können. 

13. 10. Weimar. 

Einige Expeditionen in oberaufsichtlichen Angelegenheiten. Einiges zu eignen Zwecken. Wenige Blicke in das Leben Fitzgeralds, wovon ich gestern Abend mit Ottilien mit vielem Anteil gesprochen hatte. Besuch von Dr. Hartig und Froriep. Ihro Hoheit der Großherzog. Die Herren Sterling und Zu Mittag Wölfchen. Ich nahm das Leben Lord Fitzgeralds wieder vor. Es ist höchst merkwürdig, wie Thomas Moore und die Briten überhaupt so ein Buch zu machen wissen, durchaus kollektiv und doch ein meisterhaftes liebenswürdiges Ganze. Das kommt aber von ihrem immerfort agierten öffentlichen Leben, nicht weniger von den großen Vorteilen, die der Autor aus seinen Produktionen zieht, so daß es der Mühe wert ist, sich lange Zeit darauf zu konzentrieren. Abends Oberbaudirektor Coudray, von dem Virtuosen Wieck und seiner Tochter nähere Nachricht gebend. Sodann Hofrat Kiemer von Eckartsberga zurückkehrend. Geschichte seiner und der Seinigen Abenteuer. Ferner über die Einrichtung der Schulstudien in der neuern Zeit bei Gelegenheit der vakanten Direktorstelle von Schulpforta. Ottilie ging zum Ball bei Gersdorffs. 

14. 10. Weimar

Nebenstehendes: Schreiben an den Hofrat  Riemer, Glück wünschend. – Die Registrande der Oberaufsicht durchgegangen. Expeditionen nachgetragen. Anderes vorbereitet, überhaupt für den nächsten Winter eingeleitet. Ottilie erzählte vom gestrigen Balle. Das Wetter fuhr fort, sehr schön zu seyn. Mittag mit Eckermann im untern Garten gegessen. Spät herauf. Abends Professor Riemer. Einige Korrekturen besprochen. Griechische Sprache und deren Vorzüge. Einiges von Kunstsachen vor gewiesen. Ich schlief wieder in dem hintern Zimmer.

15. 10. Weimar

Nebenstehendes expediert: An Herrn Grafen Brühl nach Berlin. Herrn Dr. Mejer, Clausthal. Herrn Dr. Göttling, zwey autorisierte Quittungen, eine für Liebeskind von 6 Tlrn. Herrn Prodirektor Bachmann, Jena, Verordnung. – Einiges Mineralogische. Hofrat Göttling gegen 11 Uhr. Zum Mittagsessen eingeladen. Ich fuhr fort, gewisse Lebensepochen zu bedenken. Mittag die Hofräte Vogel und Göttling. Heiteres und wissenschaftliches Weltgespräch. Nachher manche Betrachtungen über natürliche Dinge. In den Gartenhäusern mineralogische Gegenstände besehen. Abends Ottilie vom Geburtstag ihrer Frau Mutter kommend. Sie las den Timoleon vor.

16. 10. Weimar. 

Nebenstehendes: Herrn Professor Wolff, Jena. – Manches konzipiert und mundiert. Betrachtungen über Herrn Olfers Berliner Vorlesungen das Grab der Tänzerin bei Cumä betreffend. Der Zwiebelmarkt war heute wie gewöhnlich gehalten und erinnert an die Epoche von 1806. Vulpius übergab die Vierteljahresrechnung. Sonstige umsichtige Vorbereitung. Herrn Goffs Übersetzung der Zueignungsstanzen von Faust. Wohlgeraten. Mittag Dr. Eckermann. Manches Gute besprochen, besonders die glücklichen Augenblicke, wenn uns ein fruchtbares Gewahrwerden deutlich wird und wir nun unter dessen Leitung fortbeobachten und uns bilden. Altdeutsche Kupfer betrachtet, besonders den köstlichen Abdruck vom Hinscheiden der Marie durch Martin Schön. Abends Oberbaudirektor Coudray. Fortschreiten der Chausseen bei guter Witterung; dessen verschiedene Expeditionen die Woche über besprochen. Auch manches über die Wirkung und Fortwirkung der Gewerkenschule. Longhis Calcographie näher studiert. 

17. 10. Weimar. 

Konzepte und Munda. Einiges eingeleitet. Um 12 Uhr Ihro kaiserliche Hoheit mit Demoiselle Mazelet. Über das Schicksal, welches Riemern betroffen. Manches andere Äußere und Innere. Auch des ausgegrabenen Elefantenzahns wurde gedacht. Mittag Dr. Eckermann. Ich zeigte ihm einiges auf Kunst und anderes auf Physik Bezügliche. Er wußte das auf seine eigentümliche Art zu betrachten und sich zuzueignen. Kam der Elefantenzahn von Belvedere zurück, leider nicht in seiner vollkommenen Integrität, wurde im Gartenhaus niedergestellt. Ich beschaute einige Portefeuilles in Bezug auf Longhis Werk. Abends Ottilie, manches aus dem geselligen Leben erzählend, welches wie immer im Schwanken blieb. 

18. 10. Weimar

Sekretär Kräuter bearbeitete die neuangekommenen Bücher und Schriften, um vor Winters dem Zustand noch einige Sicherheit zu geben. Bey Betrachtung des Ankaufs der von Voigtischen Münzsammlung einige neue, weiter durchgreifende Gedanken. Den Elephantenzahn angesehen und zu dessen Konservation Anstalten gemacht. Es ist das Merkwürdigste was in dieser Größe und so vollständig gefunden worden. Herr von Berlepsch, ein wunderlicher aber schätzbarer Liebhaber aller Arten von Kuriositäten, hatte mich gestern besucht und teilte ein Stammbuch eines seiner Vorfahren mit aus der Mitte des dreyßigjährigen Kriegs. Mittags Dr. Eckermann. Abends Hofrat Soret. Geh. Rat Schweitzer, die morgende Ausstellung in Belvedere ankündigend und dazu einladend. Um 6 Uhr Hofrat Riemer. Einiges mit ihm durchgegangen. Schöne allgemein sprachliche Bemerkung. Nachts Ottilie, die Kinder.

19. 10. Weimar

Mehrere Briefkonzepte. Nebenstehendes abgesendet: An Professor Renner einen monstrosen Hirschfuß und Magenstein. -Um 11 Uhr nach Belvedere. Zur Ausstellung des landwirtschaftlichen Vereins, wo bedeutende Vegetation mancher Art, auch meinen Spekulationen förderlich vor Augen lagen. Kam die Nachricht von der glücklichen Niederkunft der Prinzeß Wilhelm mit einem Prinzen. Mittags mit Dr. Eckermann und Wölfchen. Ferner Ottilie. NB. Herr Geh. Rat von Müller war wegen der Gemälde Juliens anfragend gekommen. Hatte auch anderes zur Sprache gebracht.

20. 10. Weimar. 

Brief- und andere Konzepte. Nebenstehendes: Herrn Professor Zelter, Berlin. –Um 12 Uhr Ihro kaiserliche Hoheit. Ich bereitete darauf gar manches vor. Fing an Ordnung zu machen, damit der Umzug in die Winterquartiere erleichtert werde. Gegen Abend Hofrat Meyer. Gespräch auf Leben und Kunst bezüglich. Haus-, Hof-, Stadt- und Weltinteresse durchgesprochen. Blieb für mich und bedachte das Nächste. 

 21. 10. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: Herrn Geh. Oberrevisionsrat von Savigny, Berlin. Herrn Major von Knebel nach Jena. – Anderes mundiert. Ingleichen konzipiert. Das Nächste notiert. Dr. von Froriep, einige Fremde anmeldend. Um 12 Uhr Dr. Succow von der Breslauer Universität. Sodann die Doktoren Scoutetten und Maréchal, zwey sehr schätzbare Mediziner, von Berlin kommend, wo sie sich neunzehn Wochen? (Tage?) aufgehalten, um in Auftrag ihres Gouvernements nach den Bezügen der Cholera sich zu erkundigen. Sie brachten ohngefähr soviel mit als wir schon wissen, besonders den alten sittlichen Satz bestätigt, die Furcht sey größer als das Übel. Herr Beaulieu, ein junger angenehmer Mann in Jena studierend, besuchte mich gleichfalls und gab mir genugsame Unterhaltung. Mittag Dr. Eckermann. Über die erfreulichen Vorschritte des jungen Erbgroßherzogs. Anderes auf unsre Arbeiten Bezügliches. Nachher einiges geordnet und die Winterquartiere vorbereitet. Die Kinder waren in Belvedere bey der landwirtschaftlichen Ausstellung gewesen. Abends Hofrat Riemer. Gingen einiges durch. Besprachen anderes in Gegenwart und mit Teilnahme von Wölfchen, der sich nach seiner Art herbeygethan hatte.

22. 10. Weimar

Den Aufsatz Diderots Neffe weiter gestaltet. Einiges fernerhin geordnet. Texturen eingerichtet. Das gnädigste Reskript wegen der von Voigtischen Medaillensammlung wurde insinuirt. Um halb zwey Uhr Ihro Königliche Hoheit der Großherzog. Mittag Hofrath Vogel. Aufregung der zoologischen Entwürfe. Gegen Abend Hofrat Meyer. Besprachen die Zürcher Lokalitäten. – Des Herrn Dr. Mejer in Clausthal, Dr. Eckermanns Brief.

23. 10. Weimar

Die zoologischen Akten und Entwürfe vorgenommen. John mundierte. Ich besorgte Texturen. Alles Vorliegende zu ordnen und einzuleiten bemüht. Abends Oberbaudirektor Coudray, von dem lebhaften Fortgang des Straßenbaues bey so schönem Wetter referierend. Ingleichen einiges auf's Theater bezüglich.

24. 10. Weimar

An den zoologischen Heften fortgefahren. Nebenstehendes: An Frau Staatsminister von Voigt. Herrn Hofrat Winkler in Dresden. – Demoiselle Seidler, einen Entwurf vorzeigend, der wohlgeraten war. Der Stuttgarter Arzt nahm Abschied. Mittag Dr. Eckermann. Ich fuhr in den morphologischen Studien fort. Abends Ottilie; wir lasen den Philopömen.

25. 10. Weimar

An dem morphologischen Aufsatz fortdiktiert. Damit und mit dem Mundiren den ganzen Morgen zugebracht. Mittag Dr. Eckermann. Gegen Abend Herr Geh. Rat von Müller. Herr von Henning und seine schöne Dame. Hofrat Vogel. Zuletzt Hofrat Riemer, mit welchem die morphologische Kontrovers durchzugehen anfing.

26. 10. Weimar. 

Hofrat Vogel war nach Jena gefahren. Das Wetter vollkommen schön. Ich setzte das gestrige Geschäft gleichmäßig fort und widmete ihm den ganzen Morgen. Mittag Dr. Eckermann, seine Abreise ankündigend, sowohl Bücher als Manuskripte zurückgebend. Abends für mich. Das Nächste bedenkend. Später Ottilie; wir lasen des Plutarchs Philopömen. Höchst merkwürdig wird es, auf diese Weise die trefflichsten Männer nach und nach zwar wie vorher zwischen eigene Parteien, zuletzt auch zwischen Mazedonier und Römer geklemmt zu sehen.

27. 10. Weimar

Am Aufsatz fortgefahren. In der Geschichte meiner Studien der vergleichenden Anatomie mundiert, konzipiert. Um 12 Uhr Ihro Kaiserliche Hoheit und Demoiselle Mazelet. Mit Ottilien spazieren gefahren. Mit Wölfchen zu Tische. Nachher allein. Gegen Abend Oberbaudirektor Coudray. Nachts Ottilie. Lasen den Lysander.

28. 10. Weimar

An dem Kurrenten fortgefahren. Bey dem schönsten Wetter allein nach Berka. Speiste daselbst im neuen Badehause. Nach 5 Uhr kam ich zurück. Professor Riemer. Einiges auf den französischen Streit Bezügliches durchgegangen.

29. 10. Weimar

Dieselbe Materie fortgesetzt. Einiges Geschäftliche beseitigt. Bücher von der Bibliothek erhalten. Einige Stellen aufgeschlagen. Merkwürdiges bedacht. Hofrat Vogel um 1 Uhr. Wir besprachen das vorgekommene Oberaufsichtliche. Er speiste mit mir. Wir setzten die Unterhaltung über seine und meine gegenwärtigen Arbeiten fort, insofern sie zusammentreffen, und hatten die Zufriedenheit gleicher Hauptansichten. Alma's und Fräulein Pogwisch Geburtstag war gefeyert worden. Ich setzte die zu meinen Zwecken notwendige Lektüre fort. Blieb allein. Abends Walther. Artig und unterhaltend. Später Ottilie, von Gräfin Vaudreuil, der ein Kind krank geworden, zurückkehrend. Sie las mir noch den Schluß des Lysanders und den Anfang Kimons vor. NB. Hoher Barometerstand und völlig bedeckter Himmel den ganzen Tag.

30. 10. Weimar

Wenig gesunkener Barometerstand und regnerisches Wetter. Höchst leidige Unregelmäßigkeit. Ottilie dennoch nach Jena. Hofrat Riemer durch ein Missverständnis besuchte mich. Ich machte ihn sogleich mit der Voigtischen Angelegenheit bekannt und nützte hiezu jenen Irrtum. Expeditionen in der Voigtischen Angelegenheit. Ich nahm die d'Altonischen Skelette vor. Mittag Herr Rothe. Unterhielt mich mit ihm über der Kinder Fortschritte und war mit seiner Weise den Unterricht zu behandeln wohl zufrieden. Suchte manches zu ordnen und vorzubereiten. Nahm auch die d'Altonischen Skelette vor. Abends Ottilie. Weniges im Plutarch gelesen. Sie war mit Alwine von Jena zurückgekommen. – An Herrn Professor Hofrat Riemer, hier. An Bibliothekssekretär Kräuter, in der von Voigtischen Angelegenheit.


31. 10. Weimar

Zur vergleichenden Anatomie fortgefahren. Nebenstehendes expedirt: An Herrn Professor Zelter nach Berlin. Herrn Cammerherrn von Groß, Diplom der Mineralogischen Sozietät zu Jena. – Um 12 Uhr Ihro Hoheit der Großherzog. Ottiliens Geburtstag. Mittags Herr Oberbaudirektor Coudray. Unüberlegtes Programm des Weimarischen Gymnasiums, die Invectiven des Simonides gegen die Weiber griechisch und deutsch enthaltend, bringt großen Skandal unter den Schülern zu Wege. Abends Alwine Frommann. Sodann Ottilie. Las des Plutarchs Nikias.

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