> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 06.12.1794 (30)

2015-02-01

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 06.12.1794 (30)







AN GOETHE

Jena, 6. Dezember 1794

Indem ich eben aus dem Bette steige, erhalte ich Ihr Paket zu meiner großen Freude und Beruhigung. Nach der gespenstermäßigen Geschichte will ich mich mit dem heutigen Tage sogleich sorgfältig umtun. Ich habe nichts davon weder gelesen noch gehört.

Fichte hat noch einen vierten Aufsatz zu diesem ersten Stücke, binnen heut und acht Tagen, zu liefern versprochen, da er unter seinen Papieren Materialien dazu vorrätig hat. Die Ladung wird also voll sein, und da das Avertissement noch extra vorgedruckt wird, werden wir sogar überkomplet haben. Wenn Sie indessen, während daß das erste Stück gedruckt wird, mit der Continuation der Unterhaltungen fertig werden sollten, so ist der Setzer sogleich für das zweite Stück beschäftigt. Für dieses, denke ich, wird Ihre zweite Epistel, die Fortsetzung der Unterhaltungen, die Fortsetzung meiner Briefe, und die Belagerungsgeschichte von Antwerpen hinreichend sein.

Cotta wünscht gar zu sehr, das zu den einzelnen Aufsätzen die Namen gedruckt werden möchten. Man könnte ihm, däucht mir, unter der Restriktion willfahren, daß er bei denjenigen Aufsätzen wegbliebe, wo der Verfasser nicht gleich genannt sein will. Bei Ihren Elegien, die ohnehin kein Leser, dem es nicht ganz an Judicium gebricht, verkennen kann, wird gar kein Namen nötig sein. Sollten Sie bei den Unterhaltungen entweder gar nicht genannt, oder nur mit einem simpeln G. bezeichnet zu werden wünschen, so werden Sie die Güte haben, mich in Ihrem nächsten Briefe davon zu benachrichtigen. Ohnehin kämen die Namen nicht unter die Aufsätze zu stehen, sondern würden bloß auf dem Inhaltsverzeichnis erwähnt.

In Ansehung der Rezensionen des Journals in der Lit. Zeitung ist nunmehr arrangiert, das alle drei Monate eine ausführliche Rezension davon gemacht wird. Das erste Stück wird jedoch gleich in der ersten Woche des Januar weitläufig angezeigt. Cotta wird die Kosten der Rezensionen tragen, und die Rezensenten werden Mitglieder unserer Sozietät sein. Wir können also so weitläufig sein, als wir wollen, und loben wollen wir uns nicht für die Langeweile, da man dem Publikum doch alles vormachen muß.

Mit meiner Gesundheit geht es heute wieder recht brav, und ich werde mich sogleich an das Avertissement machen.

Ganz der Ihrige

Schiller.

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