> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 13.12.1795 (127)

2015-02-06

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 13.12.1795 (127)




 AN GOETHE

Jena, 13. Dezember 1795

Mein Aufsatz über die sentimentalischen Dichter, den ich doppelt kopieren ließ, ist schon seit drei Wochen zum Druck abgeschickt, aber Sie können des Schlusses wegen außer Sorgen sein. Sie haben nur gelesen, was damals fertig war; zu diesem aber sind noch acht Seiten, die Idyllen betreffend, gekommen, womit der Aufsatz für das zwölfte Horenstück schließt. Der eigentliche Schluß aber erfolgt erst im ersten Stück des neuen Jahrs. Sie und W. fallen also noch in die Breite, und ich denke wenn der Aufsatz ordentlich geendigt sein wird, soll der Totaleindruck und das Sachinteresse jeder Privatbeziehung vorbeugen.

Die Elegien sende ich hier nebst meinen Anmerkungen darüber zurück. Ich habe es mit diesen mit Fleiß etwas genau genommen, weil man bei einer Übersetzung, und zwar nicht mit Unrecht, eine größere Strenge in Kleinigkeiten fordert, als bei einem Originalwerk, und wir auch die Voßischen Rigoristen auf dem Nacken haben. Da ich diese Lieferung erst in acht Tagen abzuschicken brauche, so ist noch Zeit, jenen Kleinigkeiten abzuhelfen, wenn Sie von meinen Anmerkungen Gebrauch machen wollen. 

Sonst bin ich mit der Übersetzung in hohem Grade zufrieden. Sie ist ganz in den Geist des Autors eingegangen, und jene kleinen Härten abgerechnet, ungemein fließend und ungezwungen.

Hier das Geld, so ich neulich nicht habe mitschicken können. Auf Neujahr werde ich 20 Louisd’or für den Properz senden.

Leben Sie recht wohl.

Sch.
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