> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 28.07.1797 (349)

2015-02-19

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 28.07.1797 (349)




AN GOETHE

Jena, den 28. Juli 1797

In der Ungewißheit, ob dieser Brief Sie noch in Weimar findet, schreibe ich Ihnen nur ein paar Worte zum Abschied; es freut uns herzlich Sie sobald wieder hergestellt und endlich im Besitz Ihres Wunsches zu sehen. Möge nun auch die Reise einen guten Fortgang haben und Ihnen, wenn es an interessanten Bekanntschaften ja fehlte, durch die Musen verkürzt werden. Vielleicht fliegt aus Ihrem Reiseschiff eine schöne poetische Taube aus, wo nicht gar die Kraniche ihren Flug von Süden noch Norden nehmen. Diese ruhen noch immer bei mir ganz und ich vermeide selbst daran zu denken, um einiges andere voraus zu schicken. Auch machen mir jetzt die Gedichte der Freunde und Freundinnen, die Ausgabe der Agnes von Lilien und die Ausrüstung der Horen viele und gar nicht erfreuliche Diversionen.

Schlegeln habe ich einige Anmerkungen über seinen Prometheus gemacht, worüber er sich in der Antwort, die ich beilege, weitläuftig, aber nicht sehr befriedigend erklärt hat. Indessen ich habe das Meinige getan, und zu helfen war überhaupt nicht.

Ich habe meinem neuen Friedberger Poeten Schmidt und auch Hölderlin von Ihrer nahen Ankunft in Frankfurt Nachricht gegeben; es kommt nun darauf an, ob die Leutchen sich Mut fassen werden, vor Sie zu kommen. Es wäre mir sehr lieb, und auch Ihnen würden diese poetischen Gestalten in dem prosaischen Frankfurt vielleicht nicht unwillkommen sein. Sie werden dort auch wohl den kaiserlichen Hauptmann von Steigentesch finden und sehen was an ihm ist. Noch einmal empfangen Sie unsern Segen zur Reise, und leben Sie recht wohl!

Sch.
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