> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.06.1796 (171)

2015-02-08

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.06.1796 (171)


AN GOETHE.

Jena den 24. Juni 1796.


Sie haben wohl recht, daß die Broschüre mich in eine eigene Welt führen werde. Mein Lebenlang hätte ich in mir selbst so eine Fratzensammlung nicht zusammenbringen können, und jeder Strich trägt den Stempel daß man aus der Natur geschöpft hat. Es ist wirklich kein unmerkwürdiges Machwerk, so grob und plump es auch ist, und hat mich recht divertirt. Auch das gefällt mir, daß die politischen Feindschaften doch auch einen humoristischen Ausdruck zu nehmen anfangen. Es sollte wirklich Nachahmer finden.


Meyers Lebhaftigkeit hat mich recht belustigt, und daß er mitten in seinem Italien die deutschen Affen und Esel sich so herzlich angelegen sein läßt. Schreiben Sie ihm nur, daß es ganz von ihm abhänge, wann er sich in dieses Gefecht der Trojer und Achäer mischen wolle. Er kann es gleich in dem ersten Brief tun, den er an Sie schreibt, und den wir drucken lassen können.


Humboldt schrieb mir vorigen Mittwoch nur zwei Zeilen, um sein Nichtschreiben zu entschuldigen, auch bei Ihnen. Er wird Ihnen morgen die Idylle zurücksenden, auf die er gerne ausführlich antworten wollte. Seine Mutter wird bald sterben und das hält ihn denn wahrscheinlich länger in B. fest.


An Zelter schreibe ich, sobald ich ihm etwas zu senden weiß. Rieten Sie mir, meine Ceres komponieren zu lassen? Für den Gesang wär' sie wohl ein gutes Thema, wenn sie nicht zu groß ist. Indes haben wir, außer dem was von Ihnen ist, wenig anderes für die Musik zu hoffen.


Daß Sie ein Lied aus dem Meister in den Almanach geben können, ist köstlich. Nun wahrhaftig, wir wollen auf den diesjährigen Almanach uns etwas einbilden.


Die Xenien erhalten Sie Montag früh ganz gewiß. Es sind, nach Abzug der weggebliebenen, noch sechshundert dreißig bis vierzig, und ich denke nicht, daß mehr als fünfzehn oder zwanzig von diesen werden ausgemustert werden. Da der Zusammenhang und die Vollständigkeit wohl noch achtzig neue nötig machen, so wird die Zahl wohl auf siebenhundert bleiben.


Montag ein mehreres. Leben Sie recht wohl.


Sch.


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