> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 27.01.1796 (146)

2015-02-07

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 27.01.1796 (146)


AN GOETHE.

[Jena, den 27. Januar 1796.]

Sie haben mich mit dem reichen Vorrat von Xenien, den Sie geschickt haben, recht angenehm überrascht. Die den Newton betreffen, werden Sie zwar, auch durch den Stoff, kenntlich machen, aber bei dieser gelehrten Streitsache, die niemand Lebenden namentlich betrifft, hat dieses auch nichts zu sagen. Die angestrichenen haben uns am meisten erfreut.

Denken Sie darauf, Reichardten unsern soi-disant Freund mit einigen Xenien zu beehren. Ich lese eben eine Rezension der Horen in seinem Journal Deutschland, welches Unger ediert, wo er sich über die Unterhaltungen und auch noch andre Aufsätze schrecklich emanzipiert hat. Der Aufsatz von Fichte und Woltmann sind beide in einem weitläuftigen Auszug mitgeteilt, und als musterhaft aufgestellt . Das fünfte Stück (das schlechteste von allen) ist als das interessanteste vorgestellt, Vossens Gedichte, der Rhodische Genius von Humboldt sehr herausgestrichen und was des Zeuges mehr ist . Es ist durchaus mit einem nicht genug verhehlten Ingrimm geschrieben. Als das wichtigste Werk der neuern deutschen Literatur wird Heinses musikalischer Roman weitläuftig, doch hab' ich nicht gelesen wie? beurteilt.

Wir müssen Reichardt, der uns so ohne allen Grund und Schonung angreift, auch in den Horen, bitter verfolgen.

Hier wieder einige Pfähle ins Fleisch unserer Kollegen. 

Wählen Sie darunter was Ihnen ansteht.

Leben Sie recht wohl. Meine Frau empfiehlt sich aufs beste.

Sch.
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