> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 12.10.1796 (221)

2015-02-12

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 12.10.1796 (221)


AN GOETHE.

Jena 12. Oktober 1796.

Nach und nach kommen wir zur Ordnung und Ruhe. Das vermißte Hundert Exemplarien hat sich gefunden und Titelkupfer sind bestellt, so viel noch zu dem zwanzigsten Hundert fehlen. Titelblätter hat Göpferdt zum Glück über die Zahl drucken lassen, so daß sich noch ein Vorrat beim Buchbinder fand. Gebunden ist jetzt alles, was gebunden werden sollte; zwei große Lieferungen, vier Zentner schwer, sind nach Leipzig; wegen des an Cotta ins Reich bestimmten Quantums habe ich schon mit dem Fuhrmann contrahiert, der es in etlichen Tagen nach Frankfurt mitnimmt. Mit dem Sonnabend fällt mir die ganze Last vom Halse.

Die Nachfrage nach Exemplarien ist hier noch immer stark; aber alles will Schreibpapierne, die uns gerade fehlen, und Postpapierne habe ich keine mehr vorrätig. Hier erhalten Sie das letzte für Hoffmann. Können Sie das überkomplette in Gelb Papier gebundene, das Sie von mir in Händen haben, schonen, so ist mir's lieb, weil wir jetzt alle gute Exemplare zu Rath halten müssen. Ich habe einzelne Bogen defekter Exemplare auf Belin- und Postpapier, woraus wir zu dem Behuf der Korrektur noch ein vollständig Exemplar zusammen bringen können.

Hier allein sind sieben Belin- und acht holländische Exemplarien aufgebraucht worden, und beinahe noch einmal so viel wäre gegangen, wenn ich noch vorrätig gehabt hätte. Auch habe ich mir's für alle künftige Fälle zur Regel gemacht, alles was ich drucken lasse gut und kostbar drucken zu lassen; so geht es am gewissesten ab, denn auch der elendeste Lump will nicht mehr mit Lumpen vorlieb nehmen.

Die erste Lieferung, so viel nämlich davon in Ein Heft kommt, habe nebst dem Abdruck des Kupfers heute abgesendet. Der Rest ist noch nicht ganz abgeschrieben.

Unterdessen erinnern Sie sich doch auch wieder des Cellini. Wie froh wäre ich, wenn wir noch etwas neues und lustiges zu lesen zum Schluß des zweiten Horen-Jahrgangs auftreiben könnten!

Wenn Sie doch gelegentlich Herdern bedeuten wollten, daß er noch keine Horenstücke haben kann. Er hat davon gehört, daß einzelne Stücke (die mir Cotta durch Briefpost geschickt) in Weimar spuken, und glaubt man hätte ihn vergessen.

Für den Hecht danken wir schönstens und wünschten sehr, daß Sie ihn mit uns verzehren möchten. Alles grüßt.

Sch.
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