> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 10.05.1797 (309)

2015-02-17

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 10.05.1797 (309)



AN GOETHE


Jena, den 10. Mai 1797



Ich wurde gestern verhindert, Ihnen ein Wort zu sagen und hole es heute nach.

Auch mir hat Voß von Welttafeln geschrieben, die er Ihnen schicke; ich habe aber keine erhalten. Die Übersetzung aus Ovid, die er mitgeschickt, ist sehr vortrefflich, mit der Bestimmtheit und auch mit der Leichtigkeit des Meisters.

Schade nur, daß er sich durch die elenden Streitigkeiten abhalten läßt, hieher zu kommen. Daß er lieber bei seinem Reichardt in Gibichenstein liegt, als zu uns kommt, kann ich ihm doch kaum vergeben.

Ich bin neugierig, auf welche Art Sie seine Übersetzungsweise verteidigen wollen, da hier der schlimme Fall ist, daß gerade das Vortreffliche daran studiert werden muß, und das Anstößige gleich auffällt.

Es sollte mir leid tun, wenn Sie Ihren Moses zurücklegten. Freilich ist es eine sonderbare Kollision, in die er mit den italienischen Dingen kommt, aber nach dem was Sie mir schon davon sagten, hätten Sie, däucht mir, wenig mehr zu tun, als ihn zu dictiren.

Ich freue mich auf Ihre Ankunft. Hier im Freien werden wir noch einmal so gut unsere Angelegenheiten durchsprechen können. Leben Sie recht wohl. Alles grüßt Sie auf’s beste.

Sch.



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